28.05.2018 
Italiens verhinderter Finanzminister Paolo Savona

Dieser 81-Jährige ist der wahre Euro-Schreck

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Paolo Savona: Der Euro-Kritiker ist Favorit für den Posten des Finanzministers
Bloomberg via Getty Images
Paolo Savona: Der Euro-Kritiker ist Favorit für den Posten des Finanzministers

Ein Mann verkörpert die Angst des Finanzmarkts vor einer neuen Euro-Krise. An der Personalie Paolo Savona scheiterte die Zustimmung von Staatspräsident Sergio Mattarella zur neuen Regierung. Die Koalitionspartner Lega und Fünf-Sterne-Bewegung bestanden auf Savona als Finanz- und Wirtschaftsminister. Mattarella fürchtet einen "Anti-Euro-Minister" mehr als einen unerfahrenen Premier, aber ein Veto gegen den 81-jährigen Ökonomen werde Neuwahlen provozieren, warnen die Parteien.

Der parteilose Professor im Ruhestand äußerte sich nur kurz gegenüber der Zeitung "L'Avvenire": "Wer mich nicht will, ist allenfalls das Establishment, das mir vorwirft den Populismus zu decken, der aber Frucht seines eigenen Verhaltens ist."

Establishment? Paolo Savona hat selbst eine jahrzehntelange Karriere in den führenden Kreisen von Finanz, Wirtschaft, Politik und Wissenschaft hinter sich. Er begann 1961 in der Banca d'Italia, arbeitete bei der Federal Reserve und mit dem späteren Nobelpreisträger Franco Modigliani am MIT.

Savona war Generalsekretär des Unternehmerverbands Confindustria, führte mehrere Unternehmen, darunter verschiedene Vorläuferbanken der Großbank Unicredit und zweimal den Einlagensicherungsfonds der italienischen Banken. 1993/94 war er schon einmal für ein Jahr Industrieminister, in der letzten Allparteienregierung der Ersten Republik. Jetzt steht er für den nächsten radikalen Umbruch, zur "Dritten Republik".

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