16.04.2018  Tengelmann-Familie gibt Hoffnung auf

Karl-Erivan Haub - Unternehmer, Familienmensch, Abenteurer

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Karl-Erivan Haub gilt als Onlinepionier im Einzelhandel. Er scheute weder als Unternehmer noch als Privatmann das Risiko
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Karl-Erivan Haub gilt als Onlinepionier im Einzelhandel. Er scheute weder als Unternehmer noch als Privatmann das Risiko

Die Warnung war klar - und Karl-Erivan Haub hat sie ganz offensichtlich durchaus ernst genommen. "Eine gute Vorbereitung und umsichtiges Verhalten" seien angesichts der aktuellen Schneesituation unbedingt angebracht, warnten die Veranstalter der " Patrouille de Glaciers", einem vom Schweizer Militär organisierten Rennen im Skibergsteigen, an dem Haub in der kommenden Woche teilnehmen wollte.

Zusammen mit zwei Mitstreitern wollte der 58-Jährige dort die längste Wettbewerbsdistanz - rund 100 Kilometer verteilt über 4000 Höhenmeter - von Zermatt ins Schweizerische Verbier bewältigen. Von einer Trainigseinheit dafür kehrte er nicht mehr zurück. Am Freitag gab Haubs Familie die Hoffnung auf, den seit mehr als sieben Tagen im Gletschergebiet am Matterhorn vermissten Tengelmann-Chef noch lebend zu finden.

Sich durchzubeißen hat der nahbare Marathonläufer, der durch den erbitterten Streit mit Rewe anlässlich des Verkaufs der Kaiser-Tengelmann-Märkte einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde, früh gelernt. 1960 als ältester von drei Brüdern in die deutsche Handelsdynastie Tengelmann geboren, lernte Karl-Erivan schon als Kind, was es heißt die Verantwortung für ein Familienunternehmen zu tragen. "Hartes Arbeiten und nichts verprassen", darauf hätten seine Eltern ihn und seine Brüder geeicht, erzählte er einmal. "Mein Vater hat immer gesagt: "Haben kommt vom Halten."

Entsprechend muss sich der Filius erst einmal beweisen, bevor er im Familienunternehmen mitmischen darf. Haub tut dies nach einer Kaufmannslehre und einem Studium in St.Gallen beim Lebensmittelkonzern Nestlé und der Unternehmensberatung McKinsey.

Doch die Verbindung zum Familienunternehmen bleibt. So hilft Haub nach der Wende die Aktivitäten Tengelmanns im Osten aufzubauen. "Ich bin 1990 gleich rübergegangen und habe in einem Wohnwagen gelebt", erzählte er einmal.

Mit dem offiziellen Einstieg ins Familienbusiness 1992 und der Übernahme der Geschäfte im Jahr 2000 werden die Herausforderungen nicht kleiner. Haub - als Vertreter der mittlerweile fünften Generation des Handelsriesen - rationalisiert und räumt nach seinem Antritt in dem unübersichtlich gewordenen Konzern mit defizitären Sparten erst einmal auf.

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