11.07.2018 
Protest gegen Staatseinfluss

Eklat bei der Deutschen Bahn: Aufsichtsrat Frenzel tritt zurück

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Michael Frenzel tritt aus Protest aus dem Aufsichtsrat der Deutschen Bahn zurück.
DPA
Michael Frenzel tritt aus Protest aus dem Aufsichtsrat der Deutschen Bahn zurück.

Geräuschvoller Abgang im Aufsichtsrat der Deutschen Bahn. Michael Frenzel (71), langjähriges Mitglied des Aufsehergremiums und zeitweise sogar deren Vorsitzender, hat sein Mandat mit Wirkung Mitte Juli niedergelegt. Er protestiert damit gegen einen wachsenden Einfluss des Politbetriebs bei dem Bundesunternehmen, das als Aktiengesellschaft konzipiert ist.

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Dem Schritt waren dem Vernehmen nach strittige Gespräche mit Bundesverkehrminister Andreas Scheuer (43/CSU) vorausgegangen. Frenzel hat sich darin offenbar über den verstärkten politischen Einfluss auf die Deutsche Bahn beschwert. "Ich halte den Weg, der im Koalitionsvertag vorgezeichnet ist, dass die Erzielung eines Gewinnes bei der Bahn nicht mehr vorrangig ist, für grundlegend falsch", erklärte Frenzel auf Nachfrage von manager-magazin.de. Die unternehmerische Verantwortung des Vorstandes und des Aufsichtsrates drohen nach seiner Ansicht durch massive politische Einflussnahme ausgehöhlt zu werden. "Der Weg zurück zur Staatsbahn", so Frenzel, "gefährdet langfristig die Ziele der Bahnreform, einen modernen, leistungsfähigen und rentablen Schienenverkehr zu organisieren."

In Kreisen der Bundesregierung kursieren schon seit Monaten Vorschläge, die Kapitalseite des Aufsichtsrat komplett mit Politikern zu besetzen und Manager wie den ehemaligen Tui-Chef Michael Frenzel oder den Stahlunternehmer Jürgen Großmann (66) hinauszudrängen. An ihre Stelle sollen weisungsgebundene Parteipolitiker und Ministerialbeamte treten.

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