12.06.2018 
Friedensgespräch als Bühne für Kryptowährung

Dennis Rodman nutzt Nordkorea-Gipfel zu Werbung für Potcoin

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Dennis Rodman am Flughafen von Singapur
DPA
Dennis Rodman am Flughafen von Singapur

Wenn es gut läuft, bleibt von dem historischen Treffen Donald Trumps und Kim Jong Uns ein Beitrag zum Weltfrieden. Über die Begleitumstände des Gipfels von Singapur braucht dann niemand mehr zu reden. Und doch werfen sie ein Schlaglicht darauf, wie 2018 die Grenzen zwischen Politik, Geschäft und Prominentenzirkus verwischen.

Die internationale Aufmerksamkeit genoss in Singapur der frühere Basketball-Superstar Dennis Rodman - und mit ihm dessen Sponsor Potcoin, der die Reise wie schon einen früheren Besuch Rodmans in Nordkorea vor einem Jahr finanziert hatte.

Rodman zeigte sich am Flughafen in einem T-Shirt, das die obskure Kryptowährung bewarb - und deren Kurs schoss sogleich von 82 Cent auf 98 Cent hoch. Damit ist das digitale Geld in der insgesamt obskuren Welt der Kryptowährungen laut Coinmarketcap immer noch nur die Nummer 320. Gesamtwert: 20 Millionen Dollar. Für die Macher der Coins dürfte der PR-Coup dennoch von unschätzbarem Wert sein.

Potcoin bewirbt sich selbst als sicherer Zahlungsdienst für die - legale - Cannabis-Industrie (Pot ist ein Slang-Wort für Haschisch), die zwar in Kanada und manchen US-Staaten ihr Geschäft betreiben darf, aber schwer an Banken kommt.

Auf diplomatischen Anlässen, erst recht von diesem Kaliber, hat derartige Reklame natürlich nichts zu suchen. Aber Dennis Rodman hat auch offiziell gar kein Amt. Er ist als Privatmann nach Singapur gereist - der einzige, der sowohl Trump als auch Kim seine persönlichen Freunde nennt.

Schon seit Jahren wurde über eine Rolle Rodmans in der US-Schattendiplomatie spekuliert. Mit Trump verbindet ihn gemeinsame Fernsehvergangenheit in der Reality-Show "Celebrity Apprentice". Rodman zählte zu den ersten (und in der Frühphase wenigen) Prominenten, die sich für Trump als Präsidentschaftskandidaten aussprachen: "Wir brauchen keine weiteren Politiker, sondern einen Geschäftsmann." Kim kennt Rodman aus mehreren Nordkorea-Besuchen seit 2013.

Schon vor dem Gipfel brachte Dennis Rodman sich selbst für den Friedensnobelpreis ins Gespräch - auch wenn die eigentliche Leistung der Annäherung von den Koreanern (aus Nord und Süd) stammt.

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