22.02.2018 
Kion-Aufsichtsrätin Christina Reuter über Quote, Karriere und Konflikte

"Ganz ohne Druck geht es am Ende nicht"

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Jüngste Aufsichtsrätin eines milliardenschweren Konzerns in Deutschland: Christina Reuter
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Jüngste Aufsichtsrätin eines milliardenschweren Konzerns in Deutschland: Christina Reuter

Christina Reuter ist zur Female Leadership Conference f.con des manager magazins angereist - am Vorabend, es war die erste längere Zugreise für ihre erst zwei Monate alte Tochter. Während ihr Kind in der Nähe in Ruhe schlummert, beantwortet Reuter auf der Konferenzbühne Fragen zu Arbeit und Leben einer Aufsichtsrätin in einem globalen Milliardenkonzern.

Die Expertin für die digitale Vernetzung von Maschinen hat einen Lebenslauf wie aus dem Bilderbuch für Top-Manager: Nach Studium und Promotion als Wirtschaftsingenieurin wurde die heute 32-Jährige schon 2016 Aufsichtsrätin beim Gabelstapler-Hersteller Kion (Jahresumsatz 2016: 5,6 Milliarden Euro) - als jüngste ihrer Zunft. Was kann Wirtschafts-Deutschland von ihr erwarten?

In einer Konferenz-Pause nimmt sie sich Zeit für ein Interview mit manager-magazin.de. Reuter überlegt meist einige Sekunden, bevor sie dann ebenso zielgenau wie mit Gespür für politische Sensibilitäten die Fragen beantwortet.

Sven Clausen, Christina Reuter und Maren Hoffmann (von links) bei der Female Leadership Conference f.con in Hamburg
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Sven Clausen, Christina Reuter und Maren Hoffmann (von links) bei der Female Leadership Conference f.con in Hamburg

manager-magazin.de: Schon mit 31 Jahren, wenn sich andere noch über die Verlängerung ihres Praktikums freuen, sind Sie in den Aufsichtsrat von Kion eingezogen, eines international agierenden Multi-Milliardenkonzerns. Warum?

Christina Reuter: Die Frage habe ich mir eigentlich gar nicht richtig gestellt. Im Herbst 2015 wurde ich von einem Headhunter, Heiner Thorborg, auf das Mandat bei Kion angesprochen. Dann habe ich die Hintergründe erfragt und was von mir erwartet wird. Den Ausschlag hat eigentlich das Gespräch mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden John Feldmann gegeben. Und zwar deswegen, weil wir uns rasch schon relativ viel inhaltlich austauschen konnten und ich den Eindruck hatte, dass Kion mich trotz meines jungen Alters wegen meiner Expertise an Bord holen will. Ich habe mich weiter informiert, mich zur Wahl aufstellen lassen - und dann haben mich die Aktionäre gewählt.

mm.de: Normalerweise haben Aufsichtsräte die Hauptaufgabe, dem Management ihren reichen Erfahrungs- und Wissensschatz zur Verfügung zu stellen. Haben Sie beides oder haben wir gerade den Anforderungskatalog für Aufsichtsräte falsch skizziert?

Reuter: Natürlich braucht man in einem Aufsichtsrat Erfahrung und Wissen. Aber nicht nur. Entscheidend ist die Vielfalt, in vielerlei Hinsicht. Und wenn es um digitale Transformation geht, dann liegt möglicherweise mehr Wissen, häufig wohl auch mehr Empathie bei der jüngeren Generation. Da kann es für ein Unternehmen schon klug sein, das im Aufsichtsrat abzubilden.

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mm.de: Gibt es etwas, worauf Sie stolz sind aus Ihrer Arbeit im Aufsichtsrat von Kion?

Reuter: Was sicherlich ein prägender Schritt war, war gleich nach meinem Einstieg 2016 die Akquisition des US-Konzerns Dematic, der Lösungen für den automatisierten Materialfluss anbietet. Meine Aufgabe im Aufsichtsrat war es, mitzubewerten, inwiefern die Produkte von Dematic zu Kion passen. Das war für die gesamte Firma wichtig und zukunftsweisend und für mich persönlich natürlich auch extrem lehrreich.

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