30.08.2018 
Hotellerie

Warum ein CEO freiwillig die Gehälter seiner Azubis verdoppelt

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Arbeit im Hotel (Symbolbild): Die Branche sei viel besser als ihr Ruf, meint Hotelier Marco Nussbaum
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Arbeit im Hotel (Symbolbild): Die Branche sei viel besser als ihr Ruf, meint Hotelier Marco Nussbaum

Auf Facebook gibt der CEO der Hotelkette Prizeotel Marco Nussbaum sich jovial: Ein freundliches "Moin Moin" steht auf der Strickmütze des Hamburger Unternehmers, die er auf seinem Profilbild trägt. In dem Netzwerk wird Nussbaum für die Entscheidung gefeiert, die Vergütung für seine Auszubildenden zu verdoppeln. Im Interview erklärt er, warum er das getan hat.

Marco Nussbaum
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    Marco Nussbaum ist Co-Gründer und CEO der vier Häuser umfassenden Hotelkette Prizeotel, die im Economy-Segment mit Design punkten will und derzeit mit mehreren Häusern expandiert. Am Freitag steht eine Neueröffnung in Bremen an.

manager-magazin.de: Herr Nussbaum, Sie verdoppeln freiwillig zum 1. September die Gehälter Ihrer Auszubildenden. Warum?

Nussbaum: Es kann nicht sein, dass die Hotellerie ein Rekordjahr nach dem anderen meldet und die Immobilien immer höher bewertet werden - aber bei den Leuten, die in den Hotels arbeiten, nichts davon ankommt. Unsere Azubis machen einen super Job. Aber in Hamburg könnten die sich vom Tarifgehalt kein WG-Zimmer leisten. Und dann werden die Anfahrtswege lang. Unsere Leute sollen in Ruhe arbeiten können und sich nicht jeden Monat fragen müssen, wie sie es überhaupt über die Runden schaffen. Die Atmosphäre im Hotel kann nicht gut sein, wenn die Menschen ständig körperlich und mental erschöpft sind.

Was verdienen denn Hotelfachleute in Ausbildung?

Bei uns bisher im ersten Lehrjahr 730 Euro, im zweiten 815, im dritten 975. Wir erhöhen das im ersten Lehrjahr auf 1460, im zweiten auf 1630 Euro und deckeln das im dritten Lehrjahr dann auf 1650 Euro. Unabhängig von den Tarifverträgen. Wir haben sieben Auszubildende, die wir auch alle übernehmen wollen.

Sie sind ja auch im Vorstand des Hotelverbands IHA und beim Gaststättenverband Dehoga aktiv. Wie reagieren denn die Kolleginnen und Kollegen auf Ihren Vorstoß?

Bisher halten die sich eher bedeckt. Allerdings gibt es gerade bei familiengeführten Häusern auch etliche andere Unternehmer, die schon jetzt dafür sorgen, dass die Azubis von ihren Gehältern auch leben können. Es ist halt eine Mischkalkulation. In der Hotellerie gibt es vier große Kostentreiber: Mieten, Mietnebenkosten, Personalkosten und Distributionskosten - darunter fallen vor allem die Margen für Buchungsportale wie booking.com oder Expedia, von denen viele Hotels abhängig sind. Wir versuchen, unsere Direktbuchungsquote weiter zu erhöhen und bei den Mieten gut zu verhandeln, statt auf dem Rücken unserer Leute die Ausgaben zu deckeln. Wertschätzender Umgang ist auch Wertschöpfung - trotz Digitalisierung sind wir ja immer noch ein people's business.

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Viele Hoteliers beklagen den Fachkräftemangel. Was läuft falsch in der Branche?

Wir haben eigentlich gar kein Fachkräfteproblem in der Branche, sondern ein massives Führungsproblem. Es gibt alte Strukturen, verkrustete Hierarchien, Mechanismen von gestern und vorgestern, die Freude an der Arbeit nehmen. Motivierte Menschen finden oftmals ein mehr als demotivierendes Arbeitsumfeld vor. Wir brauchen Führungskräfte, die bereit sind, ihre Komfortzone zu verlassen und die sich schnell in neue Themen einarbeiten können. Mentale Agilität wird zu einer Kernkompetenz. Dazu wird viel zu wenig publik gemacht, wie toll diese Branche sein kann, wenn die Führungskonzepte gut sind! Als junger Mensch haben Sie außergewöhnliche Möglichkeiten, Sie können unter anderem zu vergünstigten Mitarbeiterpreisen reisen und in der ganzen Welt arbeiten. Die Wirklichkeit ist viel besser als das oft von einigen schwarzen Schafen geprägte Image.

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