14.03.2018 
Entscheider wissen zu wenig über die junge Generation Z

Vorsicht vor den Post-Millennials!

Eine Meinungsmache von Sascha L. Schmidt
DPA

Im Moment stehen wieder wichtige Eltern-Entscheidungen an: Auf welche Schule soll mein Kind gehen? Gymnasium, Realschule oder doch Gesamtschule? Und spätestens mit dem Übergang auf die weiterführende Schule ist häufig auch das erste Smartphone für den Nachwuchs fällig. Der Sozialdruck wird einfach zu groß. Meine Frau und ich sind ihm selbst erlegen. Als dann allerdings nach der ersten Woche Smartphone-Nutzung mein Ältester mit 3.000 Messages im WhatsApp-Klassen-Chat aufwartete dämmerte uns: Da ist etwas ganz anders als bei uns früher.

Eine neue Generation wächst heran, über die wir, die im 20. Jahrhundert Geborenen, nur sehr wenig wissen. Zu wenig. Speziell die Entscheider von heute verkennen, dass sich Ansichten und Verhaltensweisen verschieben, die wir bisher für selbstverständlich hielten. Und das kann zu dramatischen Fehleinschätzungen führen.

Mein Sohn ist zwölf. Ich bin Mitte vierzig. Als ich selbst zwölf war, gab es noch keine Smartphones, noch nicht mal richtige Computer. Telefone hatten noch Kabel und Wählscheibe, im Unterhaltungsbereich stand Fußball über allem. Selbst ein Freundschaftsspiel der deutschen Nationalmannschaft war allgegenwärtig am nächsten Tag, egal ob beim Bäcker, im Videoverleih oder auf dem Schulhof. Rummenigge, Klinsmann und Matthäus waren unsere Helden, Fußball wurde live und wenn möglich im Stadion geschaut. Wenn das nicht ging, musste man sich bis zur Sportschau gedulden, um seiner Lieblingsmannschaft zuzujubeln. Heute ist alles anders, und vieles besser. Wir sitzen in modernen Stadien mit vielerlei Komfort und können zu Hause Fußballspiele in Ultra HD-Qualität erleben, das ist schon etwas ganz anderes als ein Röhrenfernsehbild. Die Digitalisierung hat unsere Wohnzimmer erobert.

Generation Y: Pioniere der Digitalisierung

Die erste Generation von Kindern und Jugendlichen, die den Übergang von "Analogien" nach "Digitalistan" mitbekommen haben, sind die zwischen 1980 und 2000 geborenen "Millennials". Mein MeinungsMacher-Kollege Jakob Osman hat diese "Generation Y" vor kurzem hier - wenn auch etwas überspitzt - ziemlich treffend beschrieben. Millennials wurden sozialisiert, als die Digitalisierung unsere Gesellschaft erstmals spürbar erreichte. Auf einmal konnten wir im Internet shoppen gehen oder uns online mit Freunden vernetzen. Im Rahmen des Web 2.0 übernahmen dann die "User" das Kommando in der digitalen Arena. Heute entscheidet jeder selbst, welche Inhalte interessant sind und welche nicht. Content wird in Eigenregie kreiert und öffentlich über soziale Medien geteilt. Die Millennials zeigten uns, dass der Second Screen mit zum Fußballspiel gehört wie Bratwurst und Bier. Per Smartwatch, Smartphone oder Tablet verfolgen sie parallel zum Spielgeschehen Echtzeit-Statistiken, Highlight Videos, Superzeitlupen, 360-Grad-Wiederholungen oder beteiligen sich an Abstimmungen zum Spiel. Aber wer nun glaubt, dass die Millennials bereits eine große Herausforderung für die älteren Semester darstellen, der hat sich noch nicht eingängig mit der Folgegeneration beschäftigt: Der Generation Z, den ab 2000 geborenen "Post-Millennials".

1 | 3

Mehr zum Thema