29.06.2017  Frauen in Führungsgremien

Telefonica ist Deutschlands Quoten-Champion

Von
imago/Sven Simon

Was war sie einst für ein Aufreger, die Frauenquote für die Aufsichtsräte! Als wären weibliche Kontrolleure erstens nirgends zu finden und zweitens mindestens der Tod der professionellen Gremienarbeit. Jetzt geht die Quote ins dritte Jahr und es zeigt sich: Es läuft ziemlich gut.

In den Unternehmen der Dax-Segmente sind mittlerweile 25,9 Prozent Frauen in den Kontrollgremien präsent, in den öffentlichen Unternehmen sind es 29,7 Prozent. Die Zahl der Frauen in Aufsichtsräten deutscher Unternehmen der Privatwirtschaft und der Öffentlichen Hand ist damit auf ein Rekordhoch gestiegen. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Women-on-Board-Index, den die Organisation Fidar (Frauen in die Aufsichtsräte) heute in Berlin vorgestellt hat.

So bringt es Bilfinger auf 50 Prozent Frauen im Aufsichtsrat. Die Munich Re kommt auf 45 Prozent, Henkel und Deutsche Börse jeweils auf über 40 Prozent Kontrolleurinnen. Null Frauen im Aufsichtsrat (und im Vorstand) leisten sich Old-Economy-Firmen wie Klöckner und Wacker Chemie , aber auch in jungen Firmen wie Rocket Internet und United Internet sind die Männer weiterhin komplett unter sich.

Die umfangreichste Beteiligung von Frauen in den obersten Führungsgremien (Aufsichtsrat und Vorstand) kann Telefonica Deutschland vorweisen. Die Tochter des spanischen Mobilfunkriesen ist seit ihrer Aufnahme in den TecDax 2013 ständig in der Spitzengruppe des WoB-Index vertreten und kommt gegenwärtig auf 31,2 Prozent Frauen im Aufsichtsrat. Schon seit 2012 hat Telefónica mit Eva Castillo Sanz eine weibliche Aufsichtsratschefin. Im Vorstand ist das Geschlechterverhältnis sogar ausgeglichen: CEO Markus Haas steht Rachel Empey als Finanzvorstand zur Seite. Telefónica erhielt daher heute in Berlin den erstmals vergebenen Fidar-Award.

Ohne geht es nicht: Diese Männer unterstützen Fidar

Um der Frauen-Sache noch mehr Schwung zu verleihen, will Fidar sich nun zunehmend männliche Mitstreiter in ihre Reihen holen. Eine Kampagne mit dem Slogan "Ohne geht es nicht" wirbt für die Mitgliedschaft. Die Unterstützung von Commerzbank-Aufsichtsratschef Klaus Peter Müller und weiteren Wirtschaftsexperten hat der Verein bereits.

Die Fidar-Zahlen mit Stand vom 31. März 2017 zeigen nämlich auch: Es gibt nach wie vor erhebliche Unterschiede zwischen Unternehmen, die dem Quotengesetz unterstehen, und denen, die sich nur freiwillige Ziele setzen müssen.

Im WoB-Index 185 wurden erstmals die 185 im Dax , MDax , SDax und TecDax sowie die im Regulierten Markt notierten, voll mitbestimmten Unternehmen gemeinsam untersucht. Der direkte Vergleich der aktuell 105 Unternehmen, die unter die feste Quote fallen, mit den 80 DAX- Unternehmen, die lediglich Zielgrößen definieren und veröffentlichen müssen, zeigt: Wo die Quote greift, strengen sich Unternehmen mehr an. Alle 185 Unternehmen zusammen kommen auf rund 26 Prozent im Aufsichtsrat. Die aktuell 105 börsennotierten und voll mitbestimmten Unternehmen erreichen bereits 28 Prozent, die 80 nicht der Quote unterliegenden DAX-Unternehmen aber nur 19,2 Prozent.

"Die Quote hat den Unterschied gemacht. Im direkten Vergleich zeigt sich, dass der gesetzliche Druck nötig war, um den Veränderungsprozess zu beschleunigen", so Fidar-Präsidentin Monika Schulz-Strelow. "Auch die Zuwachsrate in den Vorständen ist bei den aktuell 105 Quoten-Unternehmen höher - insgesamt bleibt es aber auf der Vorstandsetage bei homöopathischen Zuwächsen."

Im Rahmen der Studie zum WoB-Index 185 hat FidAR die Unternehmen nach ihren Zielgrößen für den Frauenanteil im Aufsichtsrat, Vorstand und in den zwei obersten Managementebenen befragt. 39,9 Prozent der 185 Unternehmen planen danach eine Erhöhung des Frauenanteils in den Aufsichtsräten, jedoch sehen nur 16,1 Prozent eine konkrete Erhöhung für die Vorstände vor. 105 der Unternehmen haben aktuell keine Frau im Vorstand und geben als Zielgröße "0" an (65,2 %). Die Unternehmen äußerten, dass sich die Vorstände stärker zur Förderung von Frauen in Führungspositionen bekennen. Nur wenige Unternehmen setzen sich jedoch ehrgeizige Ziele zur Erhöhung des Frauenanteils.

Männliche Mitstreiter bei Fidar - Warum Müller und Co mitmachen, lesen Sie hier:

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