21.02.2018 
Female Leadership Conference f.CON 2018

"Nehmen Sie immer eine Nummer größer, Sie werden schon reinwachsen"

Von
manager magazin

Wie können mehr Frauen den Weg in die Topetagen der Wirtschaft finden? Dieser Frage hat sich die hochkarätig besetzte mm-Konferenz f.CON in Hamburg gestellt. Denn obwohl zahlreiche Studien zeigen, dass mehr Frauen in Führung im Eigeninteresse der Unternehmen liegen und deren Performance steigern, ist der Anteil an Frauen auf leitenden Positionen nach wie vor gering.

Auf dem Podium berichteten Frauen, die es schon an die Spitze geschafft haben, wie der Weg dorthin war, was aus ihrer Sicht funktioniert und was nicht. "Nehmen Sie immer eine Nummer größer, Sie werden schon reinwachsen", ermutigte ProSiebenSat.1-CCO Sabine Eckhardt die rund 200 Zuhörerinnen im Publikum. "Die Stiere bei den Hörnern packen ist essentiell. Das machen Sie am besten gleich am Anfang. Je länger man wartet, um so schwieriger wird es!"

Douglas-Chefin Tina Müller stellte ihr "3P-Konzept" vor: Performance, Power und Profil. "Wir Frauen fragen uns noch zu häufig: Sind wir schon so weit?", während Männer ganz natürlich über ihre Erfolge sprächen - "unterschwellig, direkt und permanent." In der Autoindustrie habe sie als Marketingchefin von Opel die Erfahrung gemacht, dass es wichtig sei, auch auf den Tisch zu hauen: "Dafür brauchen Sie Rückendeckung." Ihr berufliches Resümee: "Wenn ich aufwache und freue mich aufs Büro, dann ist alles okay. Sonst ist es Zeit, etwas zu ändern."

Die Chefin der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), Sigrid Nikutta, wunderte sich, dass Frauen immer noch Verhaltensweisen zum Vorwurf gemacht würden, die für Führungskräfte unabdingbar seien. So habe sie zu hören bekommen, sie besetze Stellen gezielt "mit Leuten, die mir genehm sind": "Na klar, ich suche die ja auch aus!" Der Unterschied zu einem Mann sei lediglich gewesen: "Ich habe nicht gleich tabula rasa gemacht."

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Einigkeit herrschte darüber, dass die Frauenquote für Aufsichtsräte Frauen wie Unternehmen vorangebracht habe - ganz ohne Druck, war man sich einig, ändert sich einfach zu wenig. Bestes Beispiel: Die erst 32 Jahre alte Industrie 4.0-Spezialistin Christina Reuter, die seit 2016 bei dem milliardenschweren Gabelstapler-Unternehmen Kion im Aufsichtsrat sitzt. Trotz Quote: "Frauen müssen selbst dafür sorgen, sich sichtbar zu machen", war ihr Rat.

Derzeit gebe es gute Möglichkeiten dafür, fand Kienbaum-Director Sabine Hansen, die auf die Technologiebranche spezialisiert ist und das Kienbaum Female Desk leitet: "Die Unternehmen gucken, wer bei der Transformation der Geschäftsmodelle helfen kann. Das ist ein Hype und eine Chance." Frauen müssten sich aber darauf einstellen, dass in den meisten Unternehmen die ganze Förderung, die in den unteren Hierarchieebenen stattfinde, weiter oben aufhörte - da sei es unabdingbar, eigene Allianzen zu bilden.

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Auch Bundesliga-Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus muss sich immer wieder aufs Neue in einem Umfeld durchsetzen, das ausschließlich aus Männern besteht. Sie beschrieb ihre Aufgabe auf dem Spielfeld (und in ihrem Job als Polizistin) denkbar nüchtern: "Es gibt in der Regel zwei Parteien, die eine unterschiedliche Auffassung von der Sachlage haben." Und sie wisse, wenn sie das Spielfeld betrete, dass sie irgendwann einen Fehler machen werde - "aber ich bereite mich immer bestmöglich vor." Ihr zentraler Rat: "Entscheiden Sie niemals gegen Ihr Bauchgefühl!"

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