23.11.2017 
Entrepreneur des Jahres - Thermondo

Handwerker treffen auf Hipster

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Thermondo-Mitgründer Philipp Pausder: Energieverbrauch senken - und nebenbei den Handwerkermarkt revolutionieren
Steffen Roth für manager magazin
Thermondo-Mitgründer Philipp Pausder: Energieverbrauch senken - und nebenbei den Handwerkermarkt revolutionieren

Das Berliner Start-up ist inzwischen zum größten Heizungsinstallateur Deutschlands aufgestiegen. Dabei war ursprünglich mal alles ganz anders geplant.

So also sieht der Heizungsbauer im 21. Jahrhundert aus. Philipp Pausder (42), der Chef von Thermondo, kommt daher wie einer, der auch Unternehmensberater sein oder im Vorstand der Deutschland AG sitzen könnte. Groß, schlank, weder zauseliger Hipsterbart noch breitrandige Nerdbrille. Tatsächlich hat der Gründer des Heizungsportals Thermondo bereits Erfahrung in der Konzernwelt gesammelt, beim Sportartikler Adidas.

Jetzt sitzt er in seinem Büro, in einem dieser typischen Berliner Hinterhäuser rund um den Rosenthaler Platz, dem Epizentrum der Berliner Start-up-Szene. Er kommt gerade vom Yoga, Donnerstagfrüh ist immer asiatische Kontemplation angesagt. Pausder fläzt sich - das darf er bei seinen zwei Metern auch - in einem Retrosessel und erzählt, wie alles anfing.

Da war zunächst Al Gores Buch "Eine unbequeme Wahrheit", in dem der ehemalige US-Vizepräsident auf drastische Weise die Folgen der Erderwärmung aufzeichnet. Das Werk las Pausder während seines MBA-Studiums in Madrid.

Etwas später kam dann Fukushima und die merkelsche Energiewende. Das klang für Pausder nach einer Chance, etwas zu bewegen - als Unternehmer. Denn zu einem effizienten Klimaschutz gehört zunächst vor allem, den Energieverbrauch zu drosseln.

Der Weg zum Sieg
Das Verfahren
Aus über 100 Bewerbungen wurden von EY 29 Finalisten ausgewählt und interviewt. Eine unabhängige Jury kürte die Sieger in den Kategorien Start-up, Industrie, Dienstleistung, Konsumgüter/Handel und Digitale Transformation. Daneben gibt es je einen Ehrenpreis für Familienunternehmen und soziales Engagement.
Die Jury
Patrick Adenauer (Bauwens), Christine Volkmann (Uni Wuppertal), Florian Nöll (Bundesverband Deutsche Startups), Ulrike Detmers (Mestemacher-Gruppe), Manfred Wittenstein (Wittenstein SE), Brigitte Mohn (Bertelsmann Stiftung).

Mit den vorhandenen Heizungen in deutschen Haushalten ließ sich da nicht viel sparen, soviel war Pausder und seinem befreundeten Energieexperten Florian Tetzlaff klar. Rund 70 Prozent der Gas- und Ölheizungen hierzulande gelten als veraltet. Eine Modernisierung dieses Geräteparks könnte eine CO-Reduktion von bis zu 30 Prozent bringen.

Und genau darauf basiert ihre Geschäftsidee. 2012 gründeten die beiden gemeinsam mit dem Energiefachmann Kristofer Fichtner die Thermondo GmbH. Ursprünglich war das Start-up als Plattform gedacht, die zwischen Handwerkern, Heizungsbauern und Kunden den Kontakt herstellt.

Handwerker treffen auf Hipster

Doch daraus wurde nichts, die Handwerker spielten nicht mit. Pausder und seine Mitgründer reagierten fix und stellten selbst Handwerker ein. An über 50 Standorten quer über die Republik verteilt hat Thermondo inzwischen eigene Handwerkertruppen installiert.

"Wir revolutionieren damit den Handwerkermarkt", sagt Pausder. Eine Filialisierung des Traditionsgewerbes, gesteuert von einer Zentrale, die online die Aufträge vermittelt.

Seither prallen bei Thermondo sehr unterschiedliche Welten aufeinander: Handwerker auf Hipster.

Zum On-Boarden (Einarbeiten) müssen deshalb erst mal alle Installateure nach der Einstellung zweieinhalb Wochen nach Berlin kommen. Auch die Sommer- und Weihnachtsfeste dienen der Annäherung.

Überblick: Das sind die Entrepreneure des Jahres 2017

Pausder warnt aber davor, Handwerker zu unterschätzen, auch bei denen übernehme die Facebook-Generation. Der Vorteil für die Mitarbeiter: Thermondo nimmt ihnen die ganze Bürokratie ab. In einigen Jahren werde jeder Handwerksbetrieb so funktionieren, glaubt Pausder.

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