13.06.2018  Jürgen Gerdes muss für Desaster im Paketgeschäft büßen

Post feuert Streetscooter-Chef

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Hatte mit seinen Innovationen wenig Fortune: Post-Vorstand Jürgen Gerdes (l.) samt Postzustellerin Cindy Rexrodt und dem Bad Hersfelder Bürgermeister Thomas Fehling (parteilos), nebst Zustell-Roboter "PostBOT".
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Hatte mit seinen Innovationen wenig Fortune: Post-Vorstand Jürgen Gerdes (l.) samt Postzustellerin Cindy Rexrodt und dem Bad Hersfelder Bürgermeister Thomas Fehling (parteilos), nebst Zustell-Roboter "PostBOT".

Die Deutsche Post lobt ihren Paket-Vorstand Jürgen Gerdes erst auf einen schmucken anderen Vorstandsposten - um ihn zwei Monate später aus dem Konzern zu drängen. Die Begleittöne machen die Operation vollends bizarr.

Es war einer seiner größten Auftritte. Ende Mai weihte Post-Vorstand Jürgen Gerdes (53) im rheinischen Düren eine neue Fabrik für das posteigene Elektromobil Streetscooter ein, gemeinsam mit dem nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet (CDU). Knapp zwei Wochen später wirkt das Event wie eine vorgezogene Abschiedsfeier. In der Sitzung des Post-Aufsichtsrats am Dienstag soll Gerdes von allen Aufgaben entbunden werden und das Unternehmen sofort verlassen. Das erfuhr manager-magazin.de aus Konzernkreisen. Am frühen Dienstagabend gab das Unternehmen bekannt, dass Gerdes sein Vorstandsamt mit sofortiger Wirkung niederlegen um zum Monatsende aus dem Konzern ausscheiden werde.

Gerdes muss für ein Desaster büßen, das er als langjähriger Chef der Kernsparte PeP (Postbriefe, E-Commerce, Pakete) angerichtet hat. Wie in den vergangenen Wochen etappenweise bekannt wurde, muss der Bereich saniert werden. Statt wie geplant rund 1,6 Milliarden Euro Betriebsergebnis wird er in diesem Jahr nur 600 Millionen Euro erwirtschaften. Der Kurs der Post-Aktie war bei der jüngsten Gewinnwarnung am Freitag massiv eingebrochen.

Die Abberufung von Gerdes ist für Post-Konzernchef Frank Appel (57) ausgesprochen peinlich. Noch im April hatte er Gerdes als Erfolgsmanager und großen Innovator gelobt. "Jürgen Gerdes steht in unserem Unternehmen sinnbildlich für unternehmerische Tatkraft, innovative Weitsicht und wirtschaftlichen Erfolg. (...) Mit seinen Erfahrungen, seiner Energie und seinem Unternehmergeist wird er für unsere Gruppe entscheidende Impulse in neuen Geschäftsfeldern setzen", so Appel in der Pressemitteilung vom 4. April.

Damals war Gerdes zunächst vom PeP-Ressort abgezogen und zum Innovationsvorstand ("Corporate Incubations") ernannt worden, mit der Zuständigkeit unter anderem für den Elektro-Kleinlaster StreetScooter.

In der Pressemitteilung vom 12. Juni kommt nun nur noch der neue Aufsichtsratschef Nikolaus von Bomhard zu Wort. Er lobte, Gerdes habe in den zwei Monaten seiner Arbeit "erste wichtige Schritte unternommen, um die Weichen für die Zukunft des Unternehmens in den Feldern Digitales, E-Mobilität und Automatisierung zu stellen". Gleichwohl hieß es zur offiziellen Begründung des abrupten Abschieds, man habe "sich aufgrund unterschiedlicher Auffassungen über die strategische Schwerpunktsetzung des Unternehmens" getrennt.

Noch Ende Mai bei der Fabrikeröffnung hatte Gerdes, der seit seinem 20. Lebensjahr für die Post arbeitet, gar einen Börsengang für den Scooter in Aussicht gestellt. Nun muss er komplett ausscheiden.

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