21.03.2006 
Familie Strüngmann

Papas, Pioniere und Piraten

Von Heide Neukirchen

Andreas und Thomas Strüngmann schrieben mit dem Aufstieg ihres Generika-Herstellers Hexal Erfolgsgeschichte. Doch statt die Pretiose den Kindern zu überlassen, verkauften die Zwillingsbrüder ihr Lebenswerk an einen Konzern. Mitnichten ist nun aber die Zeit des Müßiggangs gekommen.

Es gibt sie noch, die Champions made in Germany. Die Gründerunternehmer Andreas und Thomas Strüngmann bauten in rund 25 Jahren ein Firmenimperium für Nachahmermedikamente auf und verkauften es für 5,65 Milliarden Euro an den Schweizer Pharmakonzern Novartis . Auch nach dem Geldsegen sind die 56-jährigen Entrepreneure auf der Suche nach unternehmerischen Mutproben.

Schon ihr Vater Ernst Strüngmann, von Beruf Augenarzt, betrieb eine kleine Firma für Arzneimittelkopien (Generika). Sie hieß Durachemie. 1979 bat er seine Söhne, bei ihm einzusteigen. Denn der Geschäftsführer hatte gekündigt und die Arbeit wurde dem 65-jährigen zu viel.

Der älteste Sohn Joachim winkte ab. Er wollte lieber in München eine Arztpraxis eröffnen und unabhängig bleiben. Die Zwillinge Andreas und Thomas kamen auf Wunsch ihres Vaters zurück an den Tegernsee. Sie waren 29 Jahre jung und beruflich in New York und Kapstadt unterwegs gewesen.

Sie machten sich ohne Respekt vor großen Namen an die Arbeit und siegten in einem wichtigen Patentstreit über den Pharmamulti Bayer . 1986 verkauften sie die Durachemie für 100 Millionen Mark. Lange vorher schon hatten sie ihre eigene Firma Hexal gegründet.

Doch Nachahmermedikamente waren in den 80er Jahren ein armseliges Geschäft. Die Kopisten wurden von den forschenden Pharmafirmen verachtet und ihre Medikamente von der Mehrzahl der Ärzte gemieden, weil die Mediziner der Qualität misstrauten.

Die Rendite war mickrig, denn es gab noch keine Blockbustermedikamente mit Milliardenumsätzen und keine Politiker, die mit Hilfe von Generika das Gesundheitssystem sanieren wollten.

Gerade diese Situation forderte die Strüngmann-Brüder besonders heraus. "Sie sind stark, wenn sie die Spielregeln eines Marktes verändern können", urteilt ihr Freund, der auf Familienunternehmen spezialisierte Berater Peter May.

"Mit Schokolade hätten sie es nicht so gut hinbekommen", meint auch Joachim Strüngmann. Seine Geschwister brachten für das Nachahmergeschäft die richtigen Talente und Voraussetzungen mit. Die Brüder sind es gewöhnt, auf Marktveränderungen blitzschnell zu reagieren, sie sind risikofreudig bis tollkühn und sie kennen alle Schlupflöcher der Pharmabranche. Schon als Kinder bekamen sie zu Hause am Mittagstisch zu hören wie man mit Arzneimitteln gute oder schlechte Geschäfte machen kann.

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