06.06.2017  Linkedin-Studie zum Brexit

Steht Großbritannien vor einem Brain-Drain?

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Am Donnerstag wird in Großbritannien neu gewählt. Das hat das Karriereportal Linkedin bewogen, einmal genau auf das Land zu schauen und drei Millionen Profile von Fach- und Führungskräften aus der EU, die derzeit im Land arbeiten, auszuwerten.

Das Ergebnis: Seit dem Brexit-Referendum vor einem Jahr Juni sind deren Bewerbungen in Großbritannien über alle Industrien hinweg im Durchschnitt um zwölf Prozent zurückgegangen. Bewerbungen bei IT-Unternehmen reduzierten sich laut Linkedin um 18 Prozent, bei Banken, der Unternehmensberatung sowie dem Rechtswesen um zwölf Prozent.

40 Prozent der internationalen Fach- und Führungskräfte in britischen Kernindustrien stammen dem Karriereportal zufolge aus den 27 EU-Staaten. Aus Nordamerika stammen 17 Prozent, aus Asien 14 Prozent. Besonders Unternehmensberatungen stellen gerne Fachleute aus dem europäischen Ausland ein, gefolgt von der IT-Branche sowie Finanzwesen und Versicherungen.

Die LinkedIn-Daten zeigen außerdem: Berufstätige aus den EU-Ländern arbeiten mit 50 Prozent höherer Wahrscheinlichkeit in der Beratung als Engländer. In der IT sind es 30, im Finanzwesen 20 Prozent. Knapp zwei Drittel der EU-Immigranten haben eine Unversitätsausbildung abgeschlossen und damit eine höhere Ausbildung als der Durchschnitt der britischen Bevölkerung (34 Prozent). Ein harter Brexit, der den Aufenthaltsstatus dieser Leute in Frage stellte, "könnte diese Industriezweige um talentierte Kräfte berauben", so die Autoren der Linkedin-Studie.

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Diese haben auch untersucht, wie mobil Absolventen aus den EU-Ländern bei der Jobsuche sind. Auch hier wurden drei Millionen Datensätze unter die Lupe genommen. Die Auswertung zeigt, dass diese sich fast doppelt so häufig nach Stellen im Ausland umsehen wie der weltweite Durchschnitt: Weltweit sind es 8 Prozent, unter EU-Absolventen 15 Prozent. Deutschland liegt mit 23 Prozent auf Platz 2, mehr sind es nur in Italien (24 Prozent) - und von britischen Absolventen interessieren sich nur 9 Prozent für Auslandsstellen.

Vor dem Brexit-Votum waren Jobs in Großbritannien sehr begehrt: 12 Prozent aller angesehenen Stellenangebote kamen von dort, mehr waren es nur in den USA (21 Prozent). Nach dem Votum sankt der Wert um fast ein Fünftel. Und: Britische Absolventen haben sich direkt nach dem Votum schlagartig mehr für Jobs außer Landes interessiert als vorher.

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