05.04.2017  Wie man geschickt seine Ziele erreicht

Erfolgreich verhandeln mit Dönerkönigen und Autohändlern

Von Leon Windscheid

Buchtipp

Leon Windscheid
Das Geheimnis der Psyche: Wie man bei Günther Jauch eine Million gewinnt und andere Wege, die Nerven zu behalten


Ariston, 3/2017, 288 Seiten, 19,99 Euro

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Der folgende Text ist ein Auszug aus dem Buch "Das Geheimnis der Psyche" von Leon Windscheid, in dem der Autor die Mechanismen analysiert, die unser Handeln oft unbewusst bestimmen. Der 29-jährige Psychologe hatte bereits als Schüler sein erstes Unternehmen gegründet. 2015 gewann er in Günther Jauchs Fernsehshow "Wer wird Millionär" eine Million - und führt das auf seine Überzeugung zurück, dass man mit dem richtigen Training (fast) alles erreichen kann. Seinen Text über falschen Umgang mit Kosten finden Sie hier.

Wenn man sich als siebzehnjähriger Schüler aus seinem Kinderzimmer heraus selbstständig macht und zu Beginn der Karriere vor allem mit viel älteren und gerissenen Geschäftsmännern wie Dönerbudenbetreibern oder Nachtclubbesitzern zu tun hat, lernt man knallhartes Verhandeln von der Pike auf.

Eine frühe Lehrstunde bekam ich gleich im Anschluss an meinen zweiten Auftrag. Für die Eröffnung des Ristorante Piccolo in Wuppertal sollte ich die Speisekarten gestalten.

Nach meiner Erfahrung mit den iranischen Mexikanern war ich wenig verwundert, als sich mir der Wirt des Piccolos als Murat vorstellte, der nach der Pleite seines griechischen Imbisses Athenos nun etwas Neues versuchen wollte. Spätestens, als ich "Pizza Bollo-Hawaii mit Hackfleischsoße, Ananas und Formfleischschinken" mit den fünf hochgestellten Zahlen 2 für Geschmacksverstärker, 3 für Analogkäse, 6 für Farbstoffe, 7 für Glutamat und 8 tatsächlich für Koffein von der mit Fettflecken übersäten Speisekartenvorlage von Murat abtippte, kamen mir erste Zweifel am Konzept des neuen Ristorante.

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Aber der Kunde ist bekanntlich König, und so wuselte ich mich weiter durch das Wirrwarr. Die zehntausend bestellten Pizzakarten mussten per Expressdruck hergestellt werden, da die Eröffnung bereits für wenig später geplant war. Als die Pakete bald darauf endlich mit der Post kamen, wollte ich gleich in Wuppertal Bescheid geben, dass es losgehen könne.

Die Telefonnummer vom Piccolo prangte praktischerweise in Schriftgröße 30 direkt vorne auf den von mir gestalteten Speisekarten. Ich wählte und hörte es tuten.

"AOK Wuppertal, Schmidt. Was kann ich für Sie tun?" - "Nichts!", erwiderte ich perplex, "verwählt". Also noch mal. Diesmal aber ohne Fehler. "Die AOK Wuppertal, Schmidt. Was kann ich für Sie tun?" - "Wieso ist da nicht die Pizzeria Piccolo?", fragte ich vorsichtig. "Wieso sind Sie nicht der Weihnachtsmann?", konterte Frau Schmidt schlagfertig und legte auf. Panisch begann ich, nach Murats krakeliger Vorlage zu suchen. 0202 für Wuppertal und dann, ganz eindeutig: 1637 … Stand da wirklich 7? Es könnte mit viel Wohlwollen auch eine eingefettete 2 sein.

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