31.03.2017  Unser falscher Umgang mit Kosten

Darf noch ein bisschen mehr Geld aus dem Fenster geworfen werden?

Von Leon Windscheid

Buchtipp

Leon Windscheid
Das Geheimnis der Psyche: Wie man bei Günther Jauch eine Million gewinnt und andere Wege, die Nerven zu behalten


Ariston, 3/2017, 288 Seiten, 19,99 Euro

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Der folgende Text ist ein Auszug aus dem Buch "Das Geheimnis der Psyche" von Leon Windscheid, in dem der Autor die Mechanismen analysiert, die unser Handeln oft unbewusst bestimmen. Der 29-jährige Psychologe hatte bereits als Schüler sein erstes Unternehmen gegründet. 2015 gewann er in Günther Jauchs Fernsehshow "Wer wird Millionär" eine Million - und führt das auf seine Überzeugung zurück, dass man mit dem richtigen Training (fast) alles erreichen kann.

Im Laufe der Zeit wurde meine studentische Eventfirma immer größer. Gemeinsam mit meinem Bruder und einer ganzen Reihe Freunde und Partner suchte ich also nach immer neuen Eventideen und Locations.

Der Deal war fast immer derselbe. Wir hatten die Aufgabe, den Laden vollzukriegen, und konnten dafür das Eintrittsgeld kassieren, während der Besitzer am Getränkeverkauf verdiente. Diese Art von Arbeitsteilung erwies sich als sehr sinnvoll. Wir waren Teil der Zielgruppe und bereit, uns die Nächte um die Ohren zu schlagen. Die Betreiber hatten dafür die gastronomische Erfahrung, den Club und das Personal. Alles lief wunderbar, die Firma wuchs und wuchs, bis eines Tages ein Anruf aus Osnabrück kam.

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Dort hatte man von unserem Erfolg in Münster gehört und wollte gerne eines unserer Partykonzepte an den Studenten vor Ort ausprobieren. Zugegeben, Osnabrück ist nicht Berlin, und während die meisten Münsteraner die Existenz von Bielefeld glatt leugnen, wird Osnabrück auf der Städte-Coolness-Skala kaum höher als Castrop- Rauxel oder Bergisch Gladbach eingestuft. Trotzdem fühlte sich der Anruf ein bisschen an wie der Ritterschlag.

"Wenn sich Clubs aus anderen Städten melden, ist das doch eine Ehre", dachte ich vollkommen übermütig und begann gleich mit der Planung der Partyreihe in "Osna".

Ich ging vor wie immer: einen möglichst vielsagenden Namen erfinden ("Glaube, Liebe, Hoffnung"), der im Ohr bleibt und trotzdem besonders wirkt, ein Logo entwerfen, Zehntausende Flyer drucken, DJs bestellen, ausgeflippte Dekoration bauen, Werbeflächen anmieten und, und, und. Das alles kostet jede Menge Geld und Zeit.

Unser erstes Event in der neuen Stadt lief aber bereits desaströs an. Die Premiere war kaum besucht. Schon jetzt hätten bei mir alle Alarmglocken läuten müssen. Normalerweise kommen Partygänger gerade dann aus ihren Löchern, wenn es etwas Neues und viel Beworbenes gibt. Ein schlechter Auftakt verheißt also nichts Gutes.

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