27.03.2017  Xing-CEO über sein Sabbatical

"Ich kann ja wieder fahren"

Von
Xing-CEO Thomas Vollmoeller
Xing
Xing-CEO Thomas Vollmoeller

Thomas Vollmoeller ist seit viereinhalb Jahren CEO des Karriereportals Xing. Seine eigene Karriere begann er bei McKinsey, danach war er Vorstand bei Tchibo und CEO des Handelsunternehmens Valora. Sein eigenes Xing-Profil kommt bescheiden daher: Er bietet "Begeisterungsfähigkeit ... und manchmal auch die eine oder andere gute Idee" und sucht "Kreative Ideen und positive Energie".

Geschäftlich läuft es gut für Vollmoeller: Xing, das zu Hubert Burda Media gehört, meldete am Montag erstmals über zwölf Millionen Mitglieder. 2016 hatten sich rund 1,8 Millionen neu registriert; der Umsatz der Xing AG lag bei 148,5 Millionen Euro, 21 Prozent mehr als im Vorjahr, der Gewinn stieg um 34 Prozent auf 23,6 Millionen Euro.

manager-magazin.de: Herr Vollmoeller, Sie waren der erste CEO eines börsennotierten deutschen Unternehmens, der ein Sabbatical gemacht hat. Was haben Sie in dieser Zeit gelernt?

Thomas Vollmoeller: Viele Dinge. Dass es gut ist, aus der Tretmühle des Alltags auszubrechen und Dinge mit Abstand neu zu betrachten. Dass Nichtstun extrem produktiv sein kann. Dass der Aufenthalt in fremden Kulturen dabei hilft, das vermeintlich 'Normale' in Frage zu stellen. Vor allem aber, dass jeder ersetzbar ist. Denn Xing hat sich während meiner Abwesenheit unter der Führung unseres CFOs Ingo Chu hervorragend weiterentwickelt!

mm.de: Sie wollten "Vertrautes aus der Distanz neu betrachten, sich selbst hinterfragen, eine andere Sicht auf die Dinge entwickeln", schrieben Sie in Ihrem Blog. Wie anders sehen Sie die Dinge jetzt? Und wie hat sich Ihre Eigenwahrnehmung geändert?

Vollmoeller: Ich habe zum Beispiel noch grundsätzlicher über Xing nachdenken können. Darüber, wie wir durch Demokratisierung des sprichwörtlichen Vitamin B bestehende Machtstrukturen - Seilschaften, Clubs, einflussreiche Familien - in Frage stellen. Mit Hilfe von: Transparenz. Und dem Zugang für jedermann. Auf Xing zählt nicht mehr, wen ich kenne, sondern was ich kann. Das ist unsere DNA, die werden wir konsequent weiterentwickeln.

Deshalb haben wir das Arbeitgeber-Bewertungsportal kununu gekauft und ermöglichen unseren Kunden, hinter die aufwändig aufgebauten Kulissen von Unternehmen zu schauen. Deshalb beschäftigen wir uns mit dem Thema Gehaltstransparenz. Und engagieren uns intensiv für das Thema New Work.

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Die bestehenden Strukturen zu verändern, Herrschaftswissen zu eliminieren und dabei zu helfen die Arbeitswelt für alle besser zu machen, die Chancen der sich verändernden Arbeitswelt möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen - das treibt mich an. Das ist mir klarer denn je, nachdem ich Zeit hatte, darüber mit Abstand nachzudenken.

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