17.05.2018  Telekom-Hauptversammlung

"Die Telekom ist eine Großbaustelle"

Telekom-Chef Tim Höttges: "Das wird ein Ritt"
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Telekom-Chef Tim Höttges: "Das wird ein Ritt"

Telekom-Chef Tim Höttges ist für die Genehmigung der geplanten Milliardenfusion auf dem US-Mobilfunkmarkt weiter zuversichtlich. "Wir würden diesen Deal nicht angehen, wenn wir uns nicht eine große Chance auf ein Gelingen ausrechnen würden", sagte Höttges am Donnerstag vor der Hauptversammlung des Dax -Konzerns in Bonn. Die Zustimmung der zuständigen Behörden werde aber harte Arbeit. "Das wird ein Ritt", sagte der Manager.

Die Telekom müsse für die Zustimmung mehrere Behörden überzeugen. Insbesondere die Rolle des Regierungsausschusses für ausländische Investitionen in den USA (CFIUS) sei im Hinblick auf die weitere Entwicklung der Handelsbeziehungen zwischen Europa und den USA "interessant". Der CFIUS-Ausschuß hatte in jüngerer Vergangenheit insbesondere ausländische Übernahmen aus China blockiert. Daneben haben auch die US-Telekom-Aufsicht FCC, das Justizministerium und auch das Weiße Haus ein Wörtchen mitzureden.

Die Deutsche Telekom will die eigene US-Mobilfunktochter T-Mobile US in den USA mit dem Rivalen Sprint zusammenlegen und dadurch für beide Unternehmen mehr als 6 Milliarden US-Dollar an jährlichen Kosten einsparen. Dafür kalkuliert die Telekom insgesamt rund 15 Milliarden Dollar an Aufwendungen für die Integration ein. Die Telekom bezahlt ausschließlich in neuen T-Mobile Aktien, die Sprint mit rund 26 Milliarden Dollar bewerten. Bis Mitte kommenden Jahres soll die Zustimmung für das Geschäft vorliegen. Mit 127 Millionen Kunden will US-Chef John Legere dann die beiden US-Mobilfunkplatzhirsche Verizon und AT&T attackieren.

Höttges: Einigung um Toll Collect "faires Ergebnis"

Höttges hat sich außerdem zufrieden zur Einigung mit dem Bund im jahrelangen Streit um das Mautsystem Toll Collect geäußert. "Ich finde das ist ein faires Ergebnis", sagte er. Gemeinsam mit den anderen Hauptgesellschaftern des Betreiberkonsortiums und dem Bund hatte sich die Telekom am Vorabend auf einen Vergleich im Volumen von insgesamt 3,2 Milliarden Euro geeinigt. Das liege nah an dem Betrag, auf den sich die Telekom eingestellt habe, sagte Höttges. Die Prognose für das laufende Geschäftsjahr werde dadurch nicht beeinflusst.

Toll Collect gehört zu jeweils 45 Prozent der Deutschen Telekom und Daimler , der Rest entfällt auf den französischen Autobahnbetreiber Cofiroute.

Mit der Einigung, der noch das zuständige Schiedsgericht zustimmen muss, geht ein 14-jähriger Rechtsstreit um die verspätete Einführung der Lkw-Maut in Deutschland 2005 und entgangene Milliardeneinnahmen zu Ende. Der Bund hatte wegen des verspäteten Starts der Maut in zwei Schiedsverfahren ursprünglich Forderungen in Höhe von insgesamt 9,5 Milliarden Euro geltend gemacht, die beklagten Unternehmen Forderungen von insgesamt rund 4,9 Milliarden Euro.

Ausbau des Netzes soll Vorrang haben

Höttges hat sich außerdem für Weitsicht bei der Versteigerung der Frequenzen für den neuen Mobilfunkstandard 5G ausgesprochen. "Wir können jeden Euro nur einmal ausgeben. Entweder für Spektrum. Oder für den Ausbau des Netzes", sagte Höttges. Er schlage vor, das Geld in den Ausbau zu stecken.

5G soll den Weg für eine ganze Reihe an künftigen Schlüsseltechnologien ebnen - wie etwa autonomes Fahren. Dafür wird ein Netz benötigt, das riesige Datenmengen in Echtzeit transportiert und somit die Vernetzung von Milliarden von Geräten ermöglicht. Die Frequenz-Auktion wird voraussichtlich im kommenden Jahr erfolgen.

Laut Koalitionsvertrag wollen Union und SPD mit den Einnahmen aus der Versteigerung einen Investitionsfonds für einen flächendeckenden Glasfaserausbau einrichten. Zugleich soll die Vergabe an Auflagen geknüpft werden.

60.000 Kilometer Glasfaser werden in diesem Jahr verlegt

Höttges hat angesichts einer milliardenscheren Übernahme bei der Konkurrenz das eigene Engagement beim Glasfaserausbau vor den Aktionären verteidigt. "Unsere Kritiker nehmen ständig das Wort Kupfer in den Mund, um uns zu diskreditieren", sagte Höttges am Donnerstag auf der Hauptversammlung in Bonn. "Aber wir investieren längst ausschließlich in Glasfaser." Allein in diesem Jahr verlege die Telekom 60 000 Kilometer dieser Kabel. "So sind wir der Hauptträger, Hauptmotor für die Glasfasertechnologie in Deutschland."

Höttges räumte ein, dass der Glasfaserausbau der Telekom in der Regel nur bis an die Verteilerkästen an den Straßen reiche, während auf der sogenannten letzten Meile die Daten über Kupferkabel in die Haushalte fließen. "Das stimmt", sagte Höttges. "Fakt ist aber auch: Dadurch werden bis Ende 2019 95 Prozent aller Haushalte mit schnellem Internet versorgt sein."

Union Investment: "Telekom ist derzeit eine Großbaustelle"

Fondsmanager Ingo Speich von der Anlagegesellschaft Union Investment äußerte auf der Hauptversammlung auch allgemeine Kritik am Konzern. "Die Telekom ist derzeit eine Großbaustelle", sagte er. Er verwies auf Milliardenabschreibungen bei der seit langem schwächelnden Großkundentochter T-Systems und auf den Rückgang beim Aktienkurs in den vergangenen zwölf Monaten. Vor knapp einem Jahr lag der Kurs der T-Aktie noch bei mehr als 18 Euro - aktuell ist sie etwas mehr als 14 Euro wert.

Höttges reagierte auf Nachfragen der Aktionäre zur jüngst vereinbarten Übernahme des Kabelnetzbetreibers Liberty Global durch den Telekom-Hauptkonkurrenten Vodafone . Weil damit auch der deutsche Anbieter Unitymedia zu Vodafone wandern würde, könnte der Konzern nach dem 18,4-Milliarden-Euro-Deal über einen Großteil der bundesweiten Fernsehkabelinfrastruktur verfügen - und darüber deutlich schnellere Breitband-Geschwindigkeiten anbieten als die Telekom. Der Übernahme müssen noch die Kartellbehörden zustimmen.

Befürworter des Kaufs argumentieren, dass dadurch die Telekom angehalten sei, auch auf der letzten Meile deutlich stärker auf Glasfaser zu setzen als bislang. "Wir lieben Wettbewerb", betonte der Manager. "Ich möchte kein Privileg für die Deutsche Telekom, ich möchte nur einen fairen Wettbewerb für unser Unternehmen und unsere Mitarbeiter in Deutschland erreichen", sagte er mit Blick auf die Regulierung der Bundesnetzagentur.

la/dpa/reuters

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