22.03.2018  Heftige Facebook-Krise, aber nur zögerliche Worte vom CEO

Wo ist eigentlich Mark Zuckerberg? Er schreibt einen Post

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Seit Tagen stumm und unsichtbar: Facebook-CEO Zuckerberg
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Seit Tagen stumm und unsichtbar: Facebook-CEO Zuckerberg

Mark Zuckerberg und seine Gattin Priscilla Chan haben gebacken. Leckere Hamantaschen, zum jüdischen Purimfest. Auf Zuckerbergs Facebook-Seite halten die beiden voller Stolz das Backblech in die Kamera, verbunden mit dem Gruß: Chag sameach ("Frohes Fest!").

Es war der bislang jüngste Eintrag auf der persönlichen Seite des Facebook-CEO, und er stammt von Anfang März. Seither herrschte Funkstille. Das wäre in normalen Zeiten nicht weiter ungewöhnlich, doch diese Zeiten sind nicht normal für das weltweit größte soziale Netzwerk. Facebook befindet sich mitten in der bislang wohl schwersten Krise seit dem Start vor etwa 14 Jahren - und der Firmenchef blieb seit Tagen stumm und unsichtbar.

Für einen Lobprediger permanenter Kommunikation ungewöhnlich - und für sein Unternehmen zunehmend schädlich.

Am spätestens Mittwochabend schließlich meldete sich Zuckerberg mit einem Post zu dem Datenskandal zu Wort, in dessen Zentrum sich sein Unternehmen befindet, und der womöglich eine entscheidende Wende in der bisherigen Erfolgsgeschichte Facebooks bedeuten kann. In nüchternen Worten beschrieb Zuckerberg den Vorfall wie eine Betriebsstörung. Ein Kernsatz: "Wir werden aus dieser Erfahrung lernen, unsere Plattform sicherer zu machen und unsere Gemeinschaft künftig für alle sicherer zu machen." Etwas später dann trat er mit derselben Attitüde bei CNN auf (Was er konkret an Änderungen bei Facebook vorschlägt, lesen Sie hier).

Die Frage ist nun: Ist es angesichts der rasanten Entwicklung der Ereignisse nicht bereits deutlich zu spät für eine Reaktion des Facebook-CEO?


Aktueller denn je: Warum Sie noch heute Facebook verlassen sollten


Seit dem Firmenstart steht Facebook in der Kritik von Datenschützern, denen es zu intransparent erscheint, was das US-Unternehmen wirklich mit den Unmengen von Informationen macht, über die es von seinen inzwischen rund zwei Milliarden Nutzern weltweit verfügt. Seit der vergangenen US-Wahl spekulieren Beobachter zudem, welchen Einfluss Facebook - gewollt oder ungewollt - als wichtiges Informationsmedium für Millionen US-Bürger auf den Wahlausgang genommen haben kann.

In den vergangenen Tagen spitzten sich die Ereignisse nun zu. Mehrere Medien enthüllten, wie die britische Firma Cambridge Analytica schon vor Jahren millionenfach Nutzerdaten von Facebook abgezogen und für das Lager des heutigen US-Präsidenten Donald Trump in dessen Wahlkampf 2016 - womöglich mit russischer Unterstützung -nutzbar gemacht haben soll. 50 Millionen Facebook-Profile soll Cambridge Analytica zu diesem Zweck detailliert ausgewertet haben, schrieben die "New York Times" sowie der britische "Observer" in exklusiven Veröffentlichungen.

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