05.04.2018  Milliardenauftrag aus Washington

Trotz Trump-Attacken - Amazon winkt Megadeal mit Pentagon

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Politik und Milliardengeschäfte: US-Präsident trump (l.) mit Microsoft-CEO Satya Nadella (M.) und Amazon-Gründer Bezos
Getty Images
Politik und Milliardengeschäfte: US-Präsident trump (l.) mit Microsoft-CEO Satya Nadella (M.) und Amazon-Gründer Bezos

Die Haltung von US-Präsident Donald Trump gegenüber Amazon ist klar: Trump ging schon im Wahlkampf auf Konfrontationskurs zu dem Online-Konzern und seinem Gründer und Chef Jeff Bezos, welcher gleichzeitig Inhaber der regierungskritischen Zeitung "Washington Post" ist. Der Präsident wirft Amazon vor, zu wenig Steuern zu zahlen und zudem herkömmlichen Handelsunternehmen das Wasser abzugraben.

Gerade in den vergangenen Tagen hat Trump mit diversen Botschaften via Twitter erneut verstärkt Front gegen Amazon gemacht, was auch den Aktienkurs des Unternehmens nach Meinung von Beobachtern unter Druck brachte.

Angesichts dieses Konflikts erscheint es umso bemerkenswerter, dass Amazon offenbar kurz davor steht, einen milliardenschweren Auftrag der US-Regierung zu ergattern: Das US-Verteidigungsministerium hat US-Medien zufolge die Vergabe umfangreicher Cloud-Dienste ausgeschrieben. Der Auftrag mit einer Laufzeit von zehn Jahren hat den Angaben zufolge ein Volumen von insgesamt rund zehn Milliarden Dollar.

Ein Paket, um das sich offenbar verschiedene US-Firmen bemühen. Neben bekannten Playern wie Microsoft oder IBM befindet sich Berichten zufolge auch Amazons Cloud-Tochter Amazon Web Services im Rennen. Und zwar offenbar mit besten Chancen: Wie die US-Website Business Insider aktuell berichtet, ist Amazon der Deal, der offiziell erst im September finalisiert werden solle, praktisch nicht mehr zu nehmen.

Verantwortliche innerhalb des Pentagon seien bereits so sicher, dass Amazon den Milliardenauftrag des Ministeriums erhält, dass sie intern schon die Umstellung auf die Bezos-Firma vorbereiten, schreibt der Business Insider. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Deal noch gestoppt wird", zitiert die Website einen Insider. Es sei nur noch ein Frage der Zeit, bis die Entscheidung offiziell verkündet werde.

Sollte Amazon mit seiner Bewerbung um den Auftrag tatsächlich Erfolg haben, so wäre das nach rationalem Ermessen kaum verwunderlich. Amazon Web Services zählt weltweit zu den wichtigsten Playern im boomenden Cloud-Geschäft und ist in den USA laut Business Insider mit einem Marktanteil von 44 Prozent die Nummer eins. Innerhalb der Amazon-Gruppe dient die Cloud-Sparte zudem als wichtige Cash-Cow.

Als Partner der US-Administration hat sich Amazon ebenfalls bereits bewährt: 2013 sicherte sich das Unternehmen einen 600-Millionen-Dollar-Cloud-Auftrag vom US-Geheimdienst CIA. Der Umgang mit vertraulichem Material stellt für Amazon also vermutlich kein Problem dar, was im aktuellen Wettbewerb ebenfalls für das Unternehmen sprechen dürfte.

Darüber hinaus nutzen weitere Regierungseinheiten die Dienste von Amazon, wie das "Wall Street Journal" berichtet. Demnach reichen die Amazon-Kunden in Washington vom Ministerium für Innere Sicherheit (Department of Homeland Security) bis zur Forschungs- und Bildungseinrichtung Smithsonian Institution, Betreiberin zahlreicher Museen.

Laut Research-Firma GBH Insights belaufen sich die Umsätze, die Amazon bereits mit der Regierung macht, auf etwa 2,8 Milliarden Dollar im laufenden Jahr. 2019 werde der Betrag auf 4,6 Milliarden Dollar ansteigen, zitiert das "WSJ" aus Zahlen der Analysefirma. Zum Vergleich: 2015 betrug der Umsatz des Konzerns mit der US-Regierung den Angaben zufolge noch lediglich 300 Millionen Dollar.

Trotz aller Vorzüge und Erfahrungen gibt es in den USA gegenwärtig jedoch bereits breite Kritik an der aktuellen Auftragsvergabe, bei der nach Meinung zahlreicher Wettbewerber Amazon bevorzugt behandelt wird. Wie etwa Bloomberg berichtet, haben sich bereits Dutzende Unternehmen an das US-Verteidigungsministerium gewandt, um sich über die Vergabepraxis zu beschweren. Oracle-Co-Chefin Safra Catz habe das Thema bei einem Dinner im Weißen Haus gegenüber Präsident Trump sogar persönlich zur Spreche gebracht, wird berichtet.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Doch bei aller öffentlichen Kritik an Amazon und dessen steinreichem Chef Bezos - dass US-Präsident Trump in das offizielle Vergabeverfahren eingreift um den Erfolg Amazons zu verhindern, erscheint unwahrscheinlich. Gegenüber Oracle-Chefin Catz habe der Präsident keinerlei Ambitionen in diese Richtung erkennen lassen, schreibt Bloomberg. Auch die Sprecherin des Weißen Hauses Sarah Huckabee Sanders betonte den Berichten zufolge bereits mehrfach, der Präsident sei in die Vergabe des Auftrags nicht involviert.

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