11.09.2017  Nervenprobe für iPhone-Fans

Teuerstes iPhone aller Zeiten - Apple spaziert auf Glatteis

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Am Dienstag stellt Apple drei neue iPhone-Modelle vor.
DPA
Am Dienstag stellt Apple drei neue iPhone-Modelle vor.

Der teuerste Konzern der Welt treibt es diese Woche auf die Spitze: Das iPhone X, das am Dienstag vorgestellt wird, soll rund 1000 Dollar kosten und wird damit das teuerste iPhone aller Zeiten. Ob die Loyalität der Kunden das mitmacht, ist fraglich.

Am Dienstag wird Apple-Chef Tim Cook zum ersten mal die Bühne im Steve Jobs Theater auf dem neuen Campus in Cupertino betreten. Zum ersten mal seit Vorstellung des ersten iPhones im Jahr 2007 wird er gleich drei neue Modelle vorstellen und mit dem "iPhone X" ein Modell der Extraklasse präsentieren, das mit einem Preis von mindestens 1000 Dollar jeden bisherigen Rahmen sprengt.

Das könnte für Apple-Kunden zu einer harten Bewährungsprobe werden. Die ahnen schon ungefähr, was sie erwartet, da seit Wochen verschiedene Teil-Informationen im Netz kursieren. Das iPhone soll ein höherwertiges Display als sein Vorgänger haben und Gesichter beim Entsperren des Geräts erkennen. Zugleich sind es hohe Erwartungen, da das Gerät das schwächelnde Geschäft wieder auf Kurs bringen soll.

Seit zwei Jahren hat der Smartphone-Gigant Probleme mit seinem Wachstum. Laut Geschäftsbericht erzielte Apple im Geschäftsjahr 2016 einen Umsatz von rund 215 Milliarden US-Dollar, also knapp 15 Milliarden Dollar weniger als im Jahr zuvor. Die Kunden machen es ihnen nicht leicht: Auf den Märkten in Europa und den USA besitzen schon die meisten ein Smartphone und viele halten an ihren Produkten lange fest, bevor sie sich ein neues zulegen. Anstatt den Markt also mit mehr Produkten zu fluten, setzt Apple den Preis in die Höhe.

Das iPhone als Moneymaker

Noch immer steht das iPhone für gut 70 Prozent des Geschäfts von Apple und bleibt somit die bedeutendste Umsatz- und Gewinnmaschine des amerikanischen Unternehmens. Seit dem Tod von Apple-Mitgründer Steve Jobs im Oktober 2011 warten die Anleger auf "the next big thing", das Apples Abhängigkeit vom iPhone reduzieren könnte. Doch das lässt auf sich warten. Stattdessen setzt das Unternehmen auf viele Neuerungen, die in Geräten von Samsung & Co. seit schon zwei Jahren integriert sind. Bei Apple sollen sie den nötigen Feinschliff bekommen.

Um dieses Ziel zu erreichen, soll das Unternehmen rund 100 Dollar mehr an Produktionskosten als für das iPhone 7 ausgegeben haben. Die lagen bei einem geschätzten Wert von 387 Dollar. Die Hälfte dieser zusätzlichen Kosten entstehe laut Citi Research Analysten durch das neue OLED-Display.

Doch die weiter fortgeschrittenen Komponenten, die im neuen iPhone verbaut werden, sind knapp. Viele Kunden müssen voraussichtlich lange warten, bis sie das neue Gerät bekommen werden. Für Konkurrenten wie Samsung oder Essential, der Smartphone-Hersteller von Android-Mitbegründer Andy Rubin, bietet das eine ideale Möglichkeit, mit ihren Geräten auf die Premium-Kunden Apples abzuzielen.

Schöne teure Welt: Apple hofft auf die Treue seiner Kunden

Im Rahmen dieses neuen Wettbewerbs für Smartphones der Extraklasse setzt Apple auf die altbewährte Treue seiner Kunden. Doch um die branchenführenden Gewinnspannen zu halten, sei nach der Meinung einiger Analysten ein Preis von 1000 Dollar aufwärts unumgänglich.

Kein einziger Wettbewerber kann bislang solche Gewinnmargen mit seinen Mobiltelefonen realisieren. Zum Vergleich: Erwirtschaftete die ganze Branche mit Smartphones im vergangenen Jahr 53,7 Milliarden Dollar Gewinne, strich der iPhone Hersteller davon allein 44,9 Milliarden Dollar ein. Apple konnte mit seinen iPhones eine operative Gewinnmarge von 32,4 Prozent im Durchschnitt einfahren.

Den Titel als Vorreiter will sich der Konzern nicht entgehen lassen. Und so hofft er, dass seine Anhänger wirklich eine mehr als vierstellige Summe auf den Tisch legen werden.

Allerdings behauptete eine Marktstudie Anfang August, dass dafür selbst Apple-Fans zu geizig sein könnten. Nur 33 Prozent der aktuellen iPhone-Nutzer seien demnach bereit, einen derart hohen Preis zu zahlen.

Apples alte Geschäftsmethode

Während die einen der Preisschock am Dienstag ziemlich hart treffen könnte, ist diese Art von Marktsegmentierung für Apples Produktpalette üblich. Apple-Computer reichen von 500 Dollar für den MacMini bis zu 4000 Dollar für den MacPro. Die Apple-Watch konnte bei Veröffentlichung mit einem Modell aus Echtgold bis zu 10.000 Dollar kosten. Im iPhone-Segment kostet das günstigste iPhone 5C 100 Dollar weniger als das Standard-Modell, das teuerste iPhone 7 Plus mit 256 GB wiederum 969 Dollar.

"Apple ist zum Meister der Segmentierung zu sehr unterschiedlichen Preisstufen geworden", sagte Geoff Blaber, Analyst bei CCS Insight und fügte hinzu: "Wir neigen dazu, die 1000 Dollar Marke als Apples neues Territorium zu betrachten".

Und doch könnte die neue Preisstufe ein Wahrnehmungsproblem bei Apples loyalem und wohlhabendem Kundenstamm hervorrufen. "Es wird große Missverständnisse geben, dass Apple versucht, seinen Kunden wirklich alles aus der Tasche zu ziehen", sagte Blaber.

Um die operative Gewinnmarge von rund 32 Prozent beizubehalten, sei laut dem Analysten Wayne Lam der Research Group IHS ein Preis von mindestens 1000 Dollar nötig. "Es ist kein Geheimnis, dass Apple die größten Gewinnmargen der Geschichte hat", sagte er. "Dieses Jahr werden sie die Preiselastizität ihrer Kunden prüfen."

Manch andere Analysten behaupten, die treuen Apple-Fans seien durchaus für einen solch hohen Preis bereit. Ratenzahlungen oder Mobilfunkverträge in Verbindung mit einem kostengünstigen Paket von Apple-Music könnten den hohen Preis für Kunden erträglicher machen. Auch seien die Geräte aus dem Alltagsleben nicht mehr wegzudenken. Und immerhin koste ein 1000 Dollar iPhone immer noch weniger, als tägliche Starbucks-Kunden pro Jahr für Latte Macchiatos ausgeben.

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