20.06.2017  Vom Autobau in die Altenpflege

Kuka will Roboter in den Haushalt bringen

Von
REUTERS

Kuka-Roboter bauen Autos und Maschinen. Das reicht dem Unternehmen nicht mehr. Nach der Übernahme durch den Hausgerätehersteller Midea strebt Kuka jetzt in die Haushalte.

Bisher sind die Roboter von Kuka in Industriehallen zu Hause. Bald schon könnten die Maschinen des deutschen Herstellers in die Haushalte einziehen. Das im vergangenen Jahr für 4,5 Milliarden Euro vom chinesischen Hausgerätekonzern Midea übernommene Unternehmen plant, die Kompetenzen beider Firmen zu bündeln. Das sagte Kuka-Chef Till Reuter der Financial Times.

Reuter sehe Potenzial darin, auf Mideas Erfahrungen mit Konsumenten zurückzugreifen, um Haushaltsroboter zu konstruieren. Das wäre für Kuka ein komplett neues Geschäftsfeld. Bisher werden die Industrieroboter des Unternehmens in der Fertigung eingesetzt. Hier steht Kuka im Wettbewerber mit der Schweizer ABB oder der japanischen Fanuc.

Midea beschäftige sich nicht mit Robotern oder Automation, also bedeute Kuka Automation für Midea, sagte Reuter. "Sie sind sehr gut mit der Konsumentenindustrie verbunden. Also wollen wir zusammen Roboter für Konsumenten anbieten." Midea stellt Haushaltsgeräte vom Ventilator über Waschmaschinen bis zur Klimaanlage her

Starke Wachstumsraten erwartet

Die Konsumentenindustrie entwickle sich viel schneller als die industrielle Seite, sagte Reuter weiter. Seine Hoffnung sei, dass Midea seine Kräfte mit "Deutscher DNA" verknüpfen könne. Im vergangenen Jahr wurden laut Marktforschungsunternehmen Tractica zehn Millionen Roboter für den Konsumentenmarkt ausgeliefert. Darunter fallen Geräte wie Putz- und Staubsaugerroboter, aber auch Spielzeug. Bis 2022 soll die Zahl auf 50 Millionen Geräte gestiegen sein. Der Marktwert wachse demnach im gleichen Zeitraum von 3,8 Milliarden Dollar auf 13,2 Milliarden Dollar.

Dem Marktforschungsunternehmen Research and Markets zufolge soll der weltweite Markt für persönliche Roboter mit jährlichen Wachstumsraten von 40 Prozent in fünf Jahren sogar 34 Milliarden Dollar schwer sein. Hierbei sind auch humanoide Roboter mit künstlicher Intelligenz oder Roboter für die Altenpflege eingerechnet. Getrieben werde die Entwicklung vor allem durch Reinigungsroboter und solche, die in der Altenpflege eingesetzt würden.

Was für Roboter Kuka genau entwickeln wolle, ließ Reuter offen. Für den industriellen Einsatz hat das Unternehmen in den vergangenen Jahren sein Angebot an kleineren und mobileren Geräten erweitert.

Die sogenannten "Cobots" arbeiten besser mit Menschen zusammen als größere Modelle, die zum Schutz des Bedienpersonals oft hinter Gitterkäfigen eingesetzt werden. Intelligente Assistenzsysteme helfen Arbeitern bei schwierigen Montageaufgaben. Ihre Greifarme bestehen aus weichen flexiblen Materialien und Sensoren, die auf Annäherung reagieren.

Roboter für die Altenpflege

Es sei unwahrscheinlich, dass Kuka kleinere Haushaltsroboter herstelle, die Staubsaugen oder Rasen mähen. Das Unternehmen sei eher an Helfern für die Altenpflege interessiert, heißt es in dem Bericht weiter.

Kuka überlege ob solche Roboter Humanoid seien müssen, oder ob sie sich anders bewegen und anders funktionieren können. In der Altenpflege können Roboter vielfältige Tätigkeiten ausüben. Das geht von der Zubereitung von Mahlzeiten über das Füttern und befüllen der Spülmaschine bis zum Tragen von Personen beispielsweise aus dem Bett oder in die Badewanne.

Kuka sei auf die Integration von Hard- und Software fokussiert, sagte Reuter weiter. Damit sollten die Roboter smarter werden und einen größeren Aufgabenbereich bewältigen können. "Die Hardware muss kleiner werden, fühlender", sagte Reuter. "Ich denke, die Kombination von Hardware und Software ist eindeutig Kukas Weg." Und der führt offenbar in die Haushalte.

brt

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