27.04.2017  Marktplatz statt Bar

So möchte Apple die Generation Z anlocken

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Apple Store am Union Square in San Francisco
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Apple Store am Union Square in San Francisco

Apple will die Jugendlichen von der Straße holen. Mit einem neuen Konzept sollen die Stores zu einem Treffpunkt für die jüngste Generation werden. Das Rezept: viel Grün.

Vor Apple-Stores herrscht oft auch sonntags reger Betrieb. Vor allem Jugendliche stehen in Gruppen oder alleine vor dem geschlossenen Geschäft. Es ist ein beliebter Treffpunkt in den Innenstädten.

Manche Passanten fragen sich, was die Menschen ausgerechnet vor einen geschlossenen Apple-Store zieht. Aber es ist nicht der Blick auf die ausgestellten Produkte, die die Anziehungskraft ausmacht. Es ist das kostenlose WLAN, auf das es die meisten abgesehen haben.

Auch wenn die Geschäfte geöffnet sind, ziehen sie viele Besucher an, die nicht unbedingt zum Einkaufen gekommen sind. Die Apple-Stores dienen als inoffizielle Internet-Cafés, nicht nur für Touristen, die ihre E-Mails checken und Nachrichten lesen wollen. Zudem bietet Apple Workshops an, und an der Genius Bar geben die Angestellten technische Hilfestellung für Nutzer der Apfel-Produkte.

Das Konzept, durch die offenen Angebote nicht nur Kunden mit seinen Produkten in Berührung zu bringen, will der Konzern ausweiten. Einen Vorgeschmack soll der in der Dubai-Mall eröffnete neue Apple Store liefern.

"Triff mich bei Apple"

Um auch für die nachfolgende Generation attraktiv zu bleiben, will die seit rund drei Jahren für das Retail-Geschäft bei Apple verantwortliche Angela Ahrendts die Innenräume umgestalten. Sie sollen für die Generation Z, den seit 2000 geborenen Jugendlichen, zu einem Aufenthaltsraum werden, wie sie derzeit Kaffeeketten wie Starbucks bieten.

Viele Unternehmen wie Amazon und Google würden in Ladengeschäfte investieren, sagte Ahrendts kürzlich in einem ihrer seltenen Interviews auf CBS. "Starbucks habe es raus, ein Treffpunkt zu sein, sagte sie. "Wir haben einen wirklich guten Job gemacht, wenn die nächste Generation sagt: 'Triff mich bei Apple. Hast du gesehen, was heute bei Apple los ist?'".

Bäume und Workshops

Dazu will Ahrendts das noch von Steve Jobs und Ron Johnson vor 15 Jahren eingeführte Design der rund 500 Stores generalüberholen. Um die junge Generation anzulocken, soll die Genius Bar zu einem Genius Grove werden.

Um die Baratmosphäre in einen gemütlichen Hain zu verwandeln, hat Apple schon in seinem Flagship-Store in San Francisco Bäume aufgestellt. Neue Bildschirme und mehr Raum zum Treffen und für Schulungen soll die Menschen anziehen. Auch die bei Apple Genius genannten IT-Spezialisten bekommen Unterstützung: Sogenannte "Creative Pros" sollen die Kunden vor allem in Fragen zu Musik und Fotografie unterstützen.

Zudem soll es neue Workshops unter dem Namen "Today at Apple" geben, die Themen wie Foto, Video, Musik, Kunst und Design, Programmieren, und einiges mehr behandeln sollen.


Der neue Apple-Store in Dubai

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Behutsam in die Zukunft

Die gebürtige US-Amerikanerin Ahrendts hatte von 2006 bis 2014 die britische Modemarke Burberry geleitet. Dort war es ihr gelungen, die 150 Jahre alte Marke zu revitalisieren. Sie kombinierte erfolgreich Online- und Ladengeschäft und schaffte es, den Umsatz zu verdreifachen.

Dadurch wurde Apple-Chef Tim Cook auf die Managerin aufmerksam. Er stellte sie ein, auch wenn sie in einem der Jobinterviews bekannte, kein Techie zu sein. Inzwischen ist sie eine der bestbezahlten Managerinnen des Konzerns. Mit dem Umbau der Ladengeschäfte will sie das Retail-Geschäft von Apple behutsam in die Zukunft führen.

Platz auch für Android-Nutzer

"Wir schaffen einen modernen Marktplatz, der jeden willkommen heißt, einen Ort, an dem das Beste von Apple zusammenkommt, um sich untereinander auszutauschen", sagte Ahrendts. Auf die Frage, ob das auch für Android und Samsung-Nutzer gelten solle, antwortete sie: "Absolut. Und wir haben auch ein Austauschprogramm…".

Dass das vorrangige Ziel ist, Produkte zu verkaufen, daraus macht Apple also keinen Hehl. Mit dem neuen Design will der Konzern vor allem die Gefühle seiner Kunden ansprechen. Egal wie fortgeschritten Technologie sei, sagte Ahrendts, sie glaube nicht, dass irgendetwas einen Blick in die Augen oder eine Berührung an der Hand ersetzen könne. Mit der Umgestaltung zu einem Marktplatz sollen die Stores helfen, wieder eine menschliche Verbindung zwischen Kunden und der Marke herzustellen.

Wie erfolgreich das Konzept am Ende ist, muss sich noch herausstellen. Ketten wie Starbucks oder McDonald's können zumindest mit zwei wichtigen Assets punkten, die Apple zunächst nicht anbietet, die aber für einen Treffpunkt von Jugendlichen extrem wichtig sind: Getränke und Toiletten. Und WLAN gibt es dort auch.

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