20.04.2017  Investoren-Liebling Juicero in der Kritik

Diese Saftpresse vereint alles, was im Silicon Valley falsch läuft

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Steht in der Kritik: das Saft-Start-up Juicero
PRNewsFoto/Juicero
Steht in der Kritik: das Saft-Start-up Juicero

Frischer Saft, gepresst aus Fruchtschnitzeln in Tüten - mit diesem Konzept hat das US-Start-up Juicero in den vergangenen Jahren 120 Millionen Dollar von Investoren eingesammelt. Mindestens zwei der Geldgeber scheint das Investment in die 400 Dollar teuren Saftpressen mittlerweile allerdings zu reuen, berichtet Bloomberg, denn: "Nach dem Marktstart waren einige Investoren überrascht, eine deutlich günstigere Variante zu entdecken: Man kann die Juicero-Beutel mit den bloßen Händen ausdrücken."

Bloomberg habe dies getestet: Die Reporter hätten einer Tüte in anderthalb Minuten gut 220 Milliliter Saft entringen können - Juicero habe gut 230 Milliliter in zwei Minuten geschafft. Hätten die Investoren gewusst, so berichtet der Wirtschaftsdienst weiter, dass keine "hochpreisige Hardware" nötig sei, um frischen Saft herzustellen, hätten sie sich wohl nicht mit Gründer Doug Evans getroffen.

"Steht für alles, was im Valley falsch läuft"

Eigentlich seien Ideen wie Evans' im Valley gerade jedoch angesagt: Unternehmen wie Nespresso oder Dollar Shave Club hätten gezeigt, wie erfolgreich man mit Abo-Modellen Geld verdienen könne: "Investoren sind fasziniert von Geschäftsmodellen, die den einmaligen Verkauf von Hardware mit wiederholten Anschaffungen von verbrauchbaren Gütern kombinieren", zitiert Bloomberg einen Geldgeber. Das Blog "Deadspin" kommentiert süffisant: "Als wir unterschrieben haben, Geld in diese Saftfirma zu pumpen, dachten wir, dass das Trinken des Safts sehr viel schwerer und teurer sein würde."

Bereits vor den aktuellen Enthüllungen war Juicero kontrovers diskutiert worden. "Fast Company" nannte das Gerät "eines der am meisten verspotteten Produkte der jüngeren Vergangenheit" und ließ bei einem Praxistest kein gutes Haar am Entsafter, einer "Mini-Müllpresse, die sich mit dem Internet verbindet und Saft aus Tüten drückt". Ohne Internet gebe es keinen Saft, wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum der Beutel überschritten sei, ebenfalls nicht.

"Ich möchte nicht unhöflich sein", sagt Redakteur Mark Wilson in einem Begleitvideo, "aber das Gerät vereint ungefähr alles, was bei Silicon-Valley-Design heute falsch läuft: Es ist eine Lösung für reiche Menschen, die schlechter ist als das Problem."

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