20.04.2017  Facebook will Gedanken lesen

Direkt vom Hirn auf den Screen

2. Teil: Auch Elon Musk forscht am Thema

Nicht nur Facebook macht sich gerade Gedanken über eine solche Technologie. Auch Tech-Milliardär Elon Musk erforscht in einer neuen Firma, wie das menschliche Gehirn direkt mit Computern vernetzt werden könnte. Der 45-Jährige sei an dem Unternehmen Neuralink beteiligt, das entsprechende Elektroden entwickeln will, hatte das "Wall Street Journal" Ende März berichtet.

Musk, Chef des Elektroautobauers Tesla und der Weltraumfirma SpaceX, hatte bereits bei einem Konferenz-Auftritt im vergangenen Jahr gesagt, dass er künstliches Nervengewebe zum Verbinden mit Computern für eine wichtige Zukunftstechnologie halte. Das könne Menschen helfen, mit der künftigen künstlichen Intelligenz mitzuhalten, vor deren möglichen Übermacht Musk mehrfach warnte. Musk sprach damals von einem "direkten Interface zur Hirnrinde", insgesamt blieb er aber vage. Deshalb war zunächst unklar, ob es sich bei seinen Ausführungen um ein konkretes Projekt oder eine Technik-Fantasie handelte.

Die 54-Jährige Dugan war vor Facebook bei Googles Zukunftslabor und der Forschungsagentur DARPA des US-Verteidigungsministeriums. Bei Facebook leitet sie die Innovationsabteilung "Building 8".

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Zur Zukunftsvision von Facebook gehört auch die sogenannte erweiterte Realität, bei der virtuelle Objekte auf einem Bildschirm in reale Umgebungen eingeblendet werden. Als ersten Chef will Gründer und Chef Mark Zuckerberg für die "Augmented Reality" (AR) die allgegenwärtigen Smartphones nutzen. Der Forschungschef der auf virtuelle Realität spezialisierten Facebook-Firma Oculus, Michael Abrash, skizzierte auf der F8 aber auch eine Zukunft, in der man dauerhaft mit AR-Brillen unterwegs ist, die zusätzliche Informationen einblenden. So könnte zum Beispiel beim Blick auf ein Eis die Frage erscheinen, ob zum täglichen Bewegungsziel zwei Kilometer hinzugefügt werden sollten.

"Der wahre Durchbruch wird kommen, wenn die reale und die virtuelle Welt sich frei vermischen können werden, egal, was wir machen, egal, wo wir sind - so dass die virtuelle Welt einfach zum Teil unserer täglichen Realität wird", sagte Abrash. Bis dahin könnten aber Jahrzehnte vergehen.

Das Hauptprogramm der F8 stellte in diesem Jahr stark technische Zukunftsvisionen in den Vordergrund, während die aktuellen Probleme von Facebook wie Hassrede oder gefälschte Nachrichten nur am Rande zur Sprache kamen. Zugleich war der Anfang der Konferenz davon überschattet worden, dass ein Mann in den USA am Wochenende einen Passanten ermordete und ein Video der Tat bei Facebook hochlud. In einzelnen Konferenz-Events wiederholten Facebook-Manager die jüngsten Ankündigungen, härter gegen Fake News und hetzerische Inhalte vorzugehen.

Andrej Sokolow, dpa

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