05.12.2017  Aufsichtsrat verteidigt Vorstandschef

Ulrich Lehner: Cevians Verhalten schadet Thyssenkrupp

Ulrich Lehner (l), springt Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger zur Seite
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Ulrich Lehner (l), springt Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger zur Seite

Multiaufsichtsrat Ulrich Lehner springt Thyssenkrupp-Vorstandschef Heinrich Hiesinger zur Seite. Er verteidigt Hiesingers Sanierungskurs gegen die Angriffe von Investor Cevian. Eine Zerschlagung des Konzerns lehnt Lehner rundweg ab und kritisiert Cevians Verhalten scharf.

Im Machtkampf bei Thyssenkrupp mit dem Investor Cevian hat Aufsichtsratschef Ulrich Lehner dem Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger den Rücken gestärkt. "Eine Zerschlagung des Konzerns ist überhaupt kein Thema", sagte Lehner im Interview mit dem "Handelsblatt" (kostenpflichtig). Großinvestor Cevian kritisiert er heftig: "Wenn sich ein Aktionär in der Art und Weise öffentlich positioniert, dann schadet das dem Unternehmen."

Cevian kommt der Umbau des Essener Industriekonzerns nicht schnell genug voran. Zuletzt hatte der Investor sogar öffentlich die Zerschlagung des Konzerns gefordert. "Die Strategie hat nicht das geliefert, was man versprochen hat", hatte Cevian-Gründer Lars Förberg öffentlich erklärt. An diesem Dienstag treffen sich nach Informationen der Zeitung Lehner und Hiesinger mit Cevian-Gründer Förberg.

Selbst die eher zurückhaltende Fondsgesellschaft Union Investment hadert mit den Sanierungskurs Hiesingers. Doch Lehner stellt sich in dem Interview vor seinen Vorstandschef: "Die Mannschaft um Heinrich Hiesinger bringt eine tolle Leistung. Sie hat die volle Unterstützung des Aufsichtsrats, und ich schätze die Zusammenarbeit sehr. Dass manche ungeduldig sind, müssen wir aushalten." Auch der Vorstand setze sich hohe Ziele. Er müsse aber die "richtige Balance zwischen Geschwindigkeit und dem Mitnehmen von Mitarbeitern finden".

"Mannschaft um Hiesinger hat die volle Unterstützung des Aufsichtsrats"

Um Thyssenkrupp zukunftssicher zu machen, will Hiesinger unter anderem den Stahlbereich mit Tata Steel Europe verschmelzen, wogegen die Gewerkschaften heftig protestieren. Die Arbeitnehmervertreter befürchten bei einer Fusion der bisherigen Konkurrenten den Abbau von deutlich mehr als den vom Unternehmen angekündigten 2000 Jobs und kritisieren die von Thyssenkrupp anvisierte Verlegung des Sitzes der Stahlsparte in die Niederlande. Daneben fordern sie Arbeitsplatz- und Standort-Garantien.

Thyssenkrupp-Chef Hiesinger hatte erst vor wenigen Tagen gesagt, dass die geplante Fusion aus Sicht des Unternehmens absolute Priorität genießt. Ohne den Zusammenschluss drohten der Stahlsparte noch größere Einschnitte. Allerdings hatte eben jene Stahlsparte im abgelaufenen Geschäftsjahr zu einem deutlich höheren Gewinn beigetragen. Davon aber sollte man sich "nicht blenden" lassen, verteidigte Hiesinger seine Pläne.

Die Zustimmung der Arbeitnehmer zu der Stahlfusion ist nicht zwingend notwendig. Notfalls könnte Thyssenkrupp den Zusammenschluss auch gegen die Stimmen ihrer Vertreter im Aufsichtsrat durchsetzen. Hiesinger setzt allerdings darauf, eine "gute Lösung" zu finden.

rei mit dpa-afx

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