11.07.2018  ThyssenKrupp-Chefkontrolleur teilt gegen Elliott und Cevian aus

Lehner spricht von "Psychoterror" der aktivistischen Investoren

ThyssenKrupp-Aufsichtsratschef Ulrich Lehner (links, neben Ex-Chef Heinrich Hiesinger): Scharfe Kritik an ThyssenKrupp-Investoren
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ThyssenKrupp-Aufsichtsratschef Ulrich Lehner (links, neben Ex-Chef Heinrich Hiesinger): Scharfe Kritik an ThyssenKrupp-Investoren

Nach dem Rücktritt von Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger hat Aufsichtsratschef Ulrich Lehner scharfe Vorwürfe gegen einzelne Investoren erhoben. "Wir sprechen nicht nur in der Hauptversammlung, sondern in vielen Treffen mit unseren Aktionären. Bedauerlicherweise beschreiten einige aber auch andere Wege, die teilweise schon als Psychoterror bezeichnet werden könnten", sagte Lehner in einem am Mittwoch vorab veröffentlichten Interview der Wochenzeitung "Die Zeit".

Einige aktivistische Investoren seien dafür bekannt, dass jene Manager, die sie loswerden wollten, später in psychiatrische Behandlung gemusst hätten, so Lehner. Eine Zerschlagung des Konzerns mitsamt seiner florierenden Aufzugssparte, wie sie sowohl der Investor Cevian wie auch der Hedgefonds Elliott gefordert hatten, schloss der Thyssenkrupp-Aufsichtsratschef jedoch aus.

ThyssenKrupp-Chef Hiesinger hatte Ende vergangener Woche überraschend das Handtuch geworfen - wenige Tage nach Abschluss des Stahl-Joint-Ventures mit Tata Steel. Nach dem Rücktritt von Hiesinger soll Thyssenkrupp-Finanzchef Guido Kerkhoff übergangsweise die Führung des Mischkonzerns übernehmen. Nach Informationen von manager-magazin.de will sich der Aufsichtsrat unter Führung von Aufsichtsratschef Ulrich Lehner mit Kerkhoffs Berufung Zeit verschaffen, eine dauerhafte Lösung zu finden. Thyssenkrupp wollte sich dazu nicht äußern.

Hiesinger ist nach Deutsche Bank-Chef John Cryan und Volkswagen-Boss Matthias Müller bereits der dritte Vorstandsvorsitzende eines Dax-Konzerns, der in diesem Jahr seinen Job aufgibt. Zudem hat Beiersdorf-Chef Stefan Heidenreich angekündigt, den Nivea-Konzern demnächst zu verlassen.

Investoren Elliott und Cevian fordern mehr Tempo beim Konzernumbau

Für Anleger ist klar, wen Lehner mit seiner scharfen Kritik meint: Investoren wie der Großaktionär Cevian und der wenig zimperliche US-Hedgefonds Elliott hatten von Hiesinger mehr Tempo und Mut beim Konzernumbau gefordert. Zuletzt hatte der von Paul Elliott Singer geführte Hedgefonds Elliott offen Hiesinger kritisiert und dessen Rückzug gefordert.

Hiesinger hatte eigentlich in dieser Woche Woche eine geschärfte Strategie für den Mischkonzern vorstellen wollen, zu dessen Geschäften neben dem Stahl auch der Bau von Aufzügen, Groß-Anlagen, Autoteilen oder U-Boote gehört.

Krupp-Stiftung: Wir haben Hiesinger unterstützt

Die Krupp-Stiftung ist mit rund 21 Prozent größter Einzelaktionär des Konzerns und hat zwei Vertreter im Aufsichtsrat. Hiesinger hatte wohl auch diese in seinem Abschiedsbrief an die Mitarbeiter gemeint, als er von den Grundlagen früherer Entscheidungen sprach. "Das gemeinsame Verständnis von Vorstand, Aufsichtsrat und wesentlichen Aktionären über die strategische Ausrichtung von Thyssenkrupp war für mich eine wichtige Voraussetzung, um als Vorstandsvorsitzender Thyssenkrupp erfolgreich zu führen."

Die Stiftung und ihre Chefin, Ursula Gather, drückten später ihr Bedauern über den Schritt Hiesingers aus. Dieser habe das Unternehmen wirtschaftlich neu ausgerichtet und eine moderne Unternehmenskultur eingeführt. "Die Stiftung und auch ich persönlich haben Herrn Hiesinger auf diesem Weg stets unterstützt, die Vorschläge des Vorstandes begrüßt und sie in den Entscheidungen mitgetragen", betonte Gather.

la/reuters

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