27.06.2017  Drama um MDax-Konzern

Nach geplatztem Verkauf: Stada-Chef rechnet mit "anhaltender Unsicherheit"

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Stada-Chef Matthias Wiedenfels: "Sind aktuell nicht in weiteren Gesprächen mit Bain und Cinven"
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Stada-Chef Matthias Wiedenfels: "Sind aktuell nicht in weiteren Gesprächen mit Bain und Cinven"

Der Vorstandschef des MDax-Konzerns Stada stellt seine Beschäftigten auf "anhaltende Unsicherheit" ein. Die ergebe sich "aus einer unklaren Eigentümerstruktur", schreibt Matthias Wiedenfels in einem Brief an seine Beschäftigten, der manager-magazin.de vorliegt.

Am Montagabend hatte der Pharmahersteller (Grippostad, Ladival) das Scheitern des Übernahmeangebots der Finanzinvestoren Cinven und Bain Capital bekannt gegeben. "Bedeutet die Entscheidung (...), dass die Übernahme jetzt vom Tisch ist und wir in Zukunft Ruhe haben werden? Nein, das bedeutet sie nicht. Denn niemand kann heute im Sicherheit ausschließen, ob in den kommenden Tagen oder Wochen nicht ein weiteres Angebot an unsere Aktionäre abgeben werden wird", schreibt der Stada-Chef weiter.

Die internen Äußerungen von Wiedenfels stehen im Gegensatz zu dem Eindruck, den er in der Öffentlichkeit vermitteln wollte. In einer Telefonkonferenz am Dienstag gab er sich größte Mühe, Ruhe und Kontinuität zu demonstrieren. So sagte er beispielsweise, es bestehe "überhaupt kein Anlass" über ein anderes Angebot zu spekulieren. "Wir (...) machen ganz normal weiter."

Der geplante Verkauf des hessischen Generika-Herstellers an das Investorenduo war nur knapp gescheitert. Lediglich 65,52 Prozent der Stada-Aktionäre hatten bis Fristende am vergangenen Donnerstag die Kaufofferte der Beteiligungsgesellschaften angenommen - die erforderliche Mindestannahmeschwelle hatte bei 67,5 Prozent gelegen.

Die Stada-Führung hatte bis zuletzt für die Annahme des Angebots geworben. "Aber unsere Aktionäre haben anders entschieden, dieses Votum haben wir voll und ganz zu akzeptieren", sagte Wiedenfels.

Spekulationen über neue Offerte

Nach dem Scheitern der Übernahme von Stada flogen die Aktien des Arzneimittelherstellers zwischenzeitlich aus den Depots vieler Anleger und rauschten um 8 Prozent auf 57,30 Euro in die Tiefe. Danach erholten sie sich aber wieder, weil am Markt Spekulationen über ein erneutes Angebot gespielt wurden. Bain und Cinven hatten 66 Euro je Aktie geboten.

"Die Frage ist nun, ob die früheren Bieter Permira und Advent wieder auf der Bildfläche erscheinen und eine zweite Offerte abgeben", sagte ein Börsianer. Die beiden Investoren hatten nach monatelangem Ringen gegen Bain und Cinven den Kürzeren gezogen. .

Bain und Cinven dürfen nach dem Gesetz nun ein Jahr lang keinen neuen Anlauf nehmen - es sei denn, das Unternehmen und die Finanzaufsicht BaFin würden zustimmen. "Wir sind aktuell nicht in weiteren Gesprächen mit Bain und Cinven", sagte Stada-Chef Wiedenfels am Dienstag. Für die in der ersten Runde unterlegenen Bieter Permira und Advent gilt diese Frist nicht.

Konflikt zwischen Vorstand und Aufsichtsrat: Wiedenfels gegen Oetker

Durch den gescheiterten Deal rückt nun wieder ein seit Monaten andauernder Konflikt zwischen Vorstandschef Matthias Wiedenfels und Aufsichtsratschef Carl Ferdinand Oetker in den Vordergrund. Die beiden haben jeweils Gutachten initiiert, um eventuelles Fehlverhalten von Vorstandsmitgliedern oder Aufsichtsräten in der Vergangenheit nachzuweisen. Bei einem Verkauf an Bain und Cinven wäre ein Austausch beider Manager wahrscheinlich gewesen.

Probleme, die Anteilseigner zu überzeugen, hatten sich abgezeichnet. So mussten die Finanzinvestoren den Stada-Aktionären eine verlängerte Frist einräumen, da sich eine geringe Zustimmung abgezeichnet hatte. Die beiden Investoren können zwar 2018 - zuvor nur bei Zustimmung der Finanzaufsicht BaFin - ein weiteres Angebot für den Pharmakonzern vorlegen. Zudem könnten nun auch wieder andere Interessenten ins Spiel kommen. Bain und Cinven hatten sich gegen das konkurrierende Konsortium der Finanzinvestoren Advent und Permira durchgesetzt und die Zustimmung von Aufsichtsrat und Vorstand für ihr Übernahmeangebot bekommen.

mit Reuters

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