16.05.2018 
Ex-Vizekanzler soll Siemens-Alstom kontrollieren

Siemens verhilft Sigmar Gabriel zu zweiter Karriere

Sigmar Gabriel, hier als Gastdozent an der Universität Bonn Mitte April.
DPA
Sigmar Gabriel, hier als Gastdozent an der Universität Bonn Mitte April.

Siemens verhilft dem ehemaligen Vizekanzler Sigmar Gabriel zum Einstieg in eine neue Karriere nach der Politik. Der Technologiekonzern nominierte den langjährigen SPD-Vorsitzenden als Verwaltungsrat für die geplante Zug-Allianz mit dem französischen Konzern Alstom. Gabriel war in seiner Politiker-Karriere unter anderem Außenminister, Minister für Wirtschaft und Energie sowie Minister für Umwelt.

Der Verwaltungsrat hat vor allem eine kontrollierende Funktion und ist mit dem deutschen Aufsichtsrat vergleichbar. Das neue kombinierte Unternehmen Siemens-Alstom kommt auf gut 15 Milliarden Euro Umsatz und beschäftigt weltweit rund 62 300 Menschen.

Mit dem Zusammenschluss, dem die Kartellbehörden noch zustimmen müssen, wollen Siemens und Alstom die drohende Übermacht chinesischer Anbieter kontern. Bereits seit einigen Jahren mischt der neue Zug-Riese CRRC aus China im weltweiten Wettlauf um Bahnaufträge kräftig mit. Das Bahngeschäft ist ein wichtiger Baustein auf dem Weg zum chinesischen Staatsziel, bis 2025 in allen Schlüsseltechnologien zum Westen aufzuschließen. Der Hersteller aus dem Reich der Mitte ist alleine etwa doppelt so groß wie das geplante Siemens/Alstom.

Unter den sechs von den Deutschen für den Verwaltungsrat vorgeschlagenen Mitgliedern sind neben Gabriel vor allem hochrangige Siemens-Manager: Aus dem Siemens-Vorstand allein Roland Busch, Janina Kugel und Ralf Thomas sowie die Siemens-Managerin Mariel von Schumann. Als weiteres von Siemens unabhängiges Mitglied schlägt Siemens außer Gabriel die bereits in mehreren Verwaltungsräten sitzende Christina Stercken vor.

Die Franzosen wollen ihren Chef Henri Poupart-Lafarge in den Verwaltungsrat setzen. Dazu sollen als unabhängige Mitglieder Yann Delabriere (Alstom-Verwaltungsrat), Clotilde Delbos (Renault -Finanzchefin), Sylvie Kandé de Beaupuy (Airbus -Managerin) und Baudouin Prot von Boston Consulting kommen.

dpa-afx, soc

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