01.03.2018 
Technologiekonzern erstmals Weltspitze bei Rotoren

Siemens stößt Vestas vom Windkraft-Thron

Von Nils-Viktor Sorge
REUTERS

Der Technologiekonzern Siemens ist erstmals die weltweite Nummer eins in der Windkraft-Industrie. Die mehrheitlich beherrschte Tochter Siemens Gamesa zog 2017 am bisherigen Platzhirsch Vestas (Dänemark) vorbei, wie der Branchendienst Bloomberg New Energy Finance (BNEF) berichtet.

Demnach wurden Siemens-Gamesa-Rotoren an Land und auf See mit einer Leistung von 9,52 Gigawatt installiert. Vestas kam auf 7,71 Gigawatt.

In den Siemens-Zahlen sind allein 2,7 Gigawatt Offshore-Windkraftanlagen enthalten. In diesem Bereich ist Siemens mit einem Weltmarkt-Anteil von mehr als 50 Prozent besonders stark. Bei Windkraft an Land bleibt Vestas vorn.

Rein von der Größe her betrachtet hat sich die Übernahme von Gamesa durch Siemens damit schon stark bezahlt gemacht. Allerdings hapert es noch mächtig mit der Profitabilität des Unternehmens. Während Vestas bereits in diesem Jahr auf eine Marge von 9 bis 11 Prozent kommen will, liegt Siemens erst bei 7 bis 8.

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Deshalb wollen die Münchener fast doppelt so viele Synergieeffekte mit Gamesa nutzen als zunächst geplant: Geplant sind nun mehr als 400 Millionen Euro pro Jahr.

Bis 2020 solle Siemens Gamesa die Kosten um zwei Milliarden Euro senken, sagte Konzernchef Markus Tacke auf dem ersten Kapitalmarkttag des im April 2017 fusionierten Unternehmens in Madrid. Weltweit fallen 6000 Jobs weg, das ist fast ein Fünftel.

Der Welt-Windmarkt ist zuletzt kaum noch gewachsen. Im vergangenen Jahr wurden Anlagen mit einer Leistung von 56 Gigawatt installiert - nur zwei mehr als 2016. Im Jahr 2015 waren es noch 63 Gigawatt gewesen, wie BNEF berichtet.

Vor allem haben darunter allerdings chinesische Anbieter gelitten, die im Ranking der zwölf größten Anbieter überwiegend Federn lassen mussten. Die chinesische Regierung hatte zuletzt verstärkt auf die Solarenergie gesetzt.

Das Ranking zeigt auch: Zusehends wird die Branche von großen Konzernen dominiert. Dennoch halten sich außer Siemens mehrere weitere deutsche Anbieter recht weit oben.

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