13.11.2017  Schneller Konzernumbau

Wie Siemens General Electric schlägt

Von
Siemens-Chef Joe Kaeser, GE-Kollege John Flannery
DPA
Siemens-Chef Joe Kaeser, GE-Kollege John Flannery

Von John Flannery ist an diesem Montag ein demütiger Auftritt gefragt. Joe Kaesers Stern strahlt dafür umso heller. Während der neue Chef von General Electric den Investoren erklären muss, wie er den amerikanischen Industrieriesen wieder flott bekommen will, kann der Siemens-Boss den jüngsten Niedergang von GE als Beleg verwenden, dass sein eigener Kurs richtig sei.

"Beat GE" - diesen donnernden Schlachtruf gab "Mr Siemens" Heinrich von Pierer vor 15 Jahren vor, und damals klang es nach Größenwahn. Heute misst sich Siemens nicht mehr explizit am US-Rivalen, aber zumindest aus Aktionärssicht ist es geschafft.

Am Umsatz gemessen ist GE immer noch größer als Siemens, doch genau da liegt das Problem: Zu schwer wiegen die Konzernteile, deren Profite nicht ausreichen, um die üppige Dividende zu verdienen. Da passt es ins Bild, dass GE heute bei seiner Investorenkonferenz ankündigte, die Quartalsdividende von 24 auf 12 Cent zu halbieren: Flannery will auf diese Weise pro Quartal rund eine Milliarde Dollar im Unternehmen halten - Geld, dass GE dringend braucht.

Der Börsenwert von General Electric ist im laufenden Jahr um mehr als 40 Prozent geschrumpft, der von Siemens hält sich im Plus. Während die Industriemarge von General Electric im dritten Quartal auf 7,6 Prozent sank, konnte Siemens für das abgelaufene Geschäftsjahr 11,2 Prozent melden: Ziel erreicht! Die "Financial Times" zitiert einen Analysten von der Deutschen Bank, die beiden Wettbewerber seien "wie Tag und Nacht": "Bei Siemens ist die Frage, was sie mit ihrem überschüssigen Kapital anfangen. Bei GE, wie stark sie die Dividende kürzen."

Umbau ist nötig: Die Probleme bei GE stärken Kaesers Position

Angesichts dieser Erfolgszahlen stoßen Kaesers Pläne, tausende Stellen abzubauen, ganze Werke und Konzernsparten zur Disposition zu stellen, auf Unverständnis und Widerstand von Beschäftigten und Gewerkschaft. Da liefern die Turbulenzen des einst unerreichbaren Vorbilds GE für Kaeser eine willkommene Argumentationshilfe: Siemens hat in der Konzernstrategie alles richtig gemacht.

Diesen Punkt müsste Joe Kaeser noch nicht einmal selbst setzen. "Die Deutschen zeigen GE, wo genau es schiefläuft", betitelt "Bloomberg" einen Artikel. Siemens habe sich rechtzeitig vom Anspruch eines umfassenden Industriekonglomerats verabschiedet und Geschäftsteile abgegeben oder nur noch lose angebunden.

Flannery, so viel hatte er zuvor schon angedeutet, wird nun Kaesers Beispiel folgen. GE soll Randgeschäfte von bis zu einem Fünftel des Konzernumsatzes aufgeben. Wenn es nach Finanzpresse und Analysten geht, soll ein radikalerer Wandel in Richtung einer Holding-Struktur folgen.

Damit niemandem der Kontrast zwischen den beiden Wettbewerbern entgeht, betonte Kaeser ihn bei der Präsentation der Geschäftszahlen: "Wir haben verstanden, dass althergebrachte Konglomerate keine Zukunft mehr haben." Andere - und da musste er keine Namen nennen, denn Philips oder Alstom hatten sich ja schon zuvor selbst zerlegt - "sind weniger aktiv dabei, ihre strategische Transformation zu gestalten. Das lässt sich auch an ihren Aktienkursen ablesen."

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