27.06.2018 
Wurst oder Vurst?

Rügenwalder will vegetarischer werden - im Land der Schweine-Esser

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Veggie-Produktion bei Rügenwalder: Der Wursthersteller will den Anteil von vegetarischen und veganen Fleischersatzprodukten in den kommenden 3 Jahren kräftig ausbauen
Rügenwalder Mühle
Veggie-Produktion bei Rügenwalder: Der Wursthersteller will den Anteil von vegetarischen und veganen Fleischersatzprodukten in den kommenden 3 Jahren kräftig ausbauen

Wurst ohne Fleisch? Für Clemens Tönnies, Chef von Deutschlands größtem Fleischkonzern, ist das kein Thema mehr. Zweimal habe er es probiert. "Und zweimal hat es mir absolut nicht geschmeckt", zitiert die "Welt" den gelernten Metzger und bekennenden Fleischesser. Das Abenteuer "Veggie-Wurst" oder wie all die Fleischalternativen heißen, hat Tönnies beendet.

Er "glaube nicht" an diesen noch jungen Markt, der Hype sei "endgültig vorbei", gab Tönnies bei der jüngsten Bilanz-Pressekonferenz im April zu Protokoll. Von sieben Varianten vegetarischer "Wurst" der Marke Gutfried werde künftig nur noch eine angeboten, kündigte er an.

Die entgegensetzte Richtung schlägt der Wettbewerber Rügenwalder Mühle ein. Ob nun vegetarischer "Schinken", vegane "Frikadellen" oder Hack ohne Fleisch: Der Wursthersteller will bis 2020 rund 40 Prozent seines Umsatzes mit Fleischalternativen erwirtschaften. 2017 machten die Produkte mit Fleischalternativen rund 25 Prozent der Erlöse aus - bei 3 Prozent fallenden Umsätzen auf insgesamt 201 Millionen Euro.

Rügenwalder: "Vegetarische Alternativen sind mehr als ein Trend"

Gegen den Riesen Tönnies in Ostwestfalen (21 Millionen zerlegte Tiere, 6,9 Milliarden Euro Umsatz in 2017) wirkt der Familienbetrieb aus Bad Zwischenahn bei Oldenburg (Niedersachsen) wie ein Nischenzwerg. Allerdings wie einer mit viel Selbstbewusstsein: "Wir sind davon überzeugt, dass vegetarische/vegane Alternativen mehr als ein Trend sind und weiter an Bedeutung gewinnen - vor allem auch vor dem Hintergrund der immer drängender werdenden Klimaproblematik", sagt Geschäftsführer Godo Röben.

Vegetarischer Schinken Spicker: Die Zahl der Veggi-Produkte bei der Rügenwalder Mühle soll wachsen
Rügenwalder Mühle
Vegetarischer Schinken Spicker: Die Zahl der Veggi-Produkte bei der Rügenwalder Mühle soll wachsen

Dabei setzt Röben strategisch auf die wachsende Zahl von Veganern in Deutschland. Ziel sei es, alle vegetarischen Produkte durch vegane Alternativen zu ersetzen - und das am besten noch in Bio-Qualität, wie der Geschäftsführer unlängst im Interview dem Wirtschaftsmagazin "vegconomist" erklärte.

Und Rügenwalder will expandieren. In Österreich, der Schweiz und Luxemburg bereits vertreten, zieht es den Pionier in Sachen Fleischersatz nach Skandinavien. Konkrete Gespräche mit potentiellen Partnern würden bereits geführt, so Röben.

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