02.05.2018 
Martin Brudermüller führt künftig Chemie-Giganten

Das kann die Welt vom neuen BASF-Chef erwarten

Ein Porträt von
Neuer BASF-Chef: Martin Brudermüller.
BASF
Neuer BASF-Chef: Martin Brudermüller.

Nach gängigen Maßstäben kommt der gerade noch 56-jährige Martin Brudermüller, der einen Tag nach der Übernahme des Chefpostens bei der BASF am 4. Mai seinen nächsten Geburtstag feiert, eigentlich zehn Jahre zu spät an die Macht. In vielen Konzernen wird man heute spätestens mit Mitte 40 Chef - oder gar nicht.

Schwamm drüber - bei der BASF rückt Brudermüller gerade zur rechten Zeit an die Spitze. Der weltgrößte Chemiekonzern, der unter Noch-Amtsinhaber Kurt Bock häufig verzagt wirkte, benötigt neue Impulse, um die Position als "leading operator" der Branche zu behaupten, nach Möglichkeit auszubauen.

In Ludwigshafen freuen sich jedenfalls viele auf den Anpacker, braungebrannt, hemdsärmelig, berauscht von den Möglichkeiten der Chemie. Er ist der Gegenentwurf zum nüchternen Finanzmann Bock.

Seine Leitidee: Die BASF vor allem technisch wieder richtig stark machen. Seine Kernthemen: Digitalisierung und Innovationen. "Ein Unternehmen muss ständig etwas Neues bieten, um die Kunden zu begeistern", sagt Brudermüller. Sein Selbstverständnis: Mit "Herz und Verstand" führen.

Für die Mission hat sich Brudermüller neue Machtfülle ausbedungen. "Um größere Innovationen zu generieren, braucht man Risikobereitschaft", sagt der Chef in spe. "Und das fängt ganz oben an." Deshalb bleibt Brudermüller als CEO auch Chef der Forschung des Konzerns.

Der gebürtige Stuttgarter und in Karlsruhe aufgewachsene Brudermüller hat lange auf die Nummer-Eins-Position hingearbeitet. Vor sieben Jahren unterlag er nur knapp Kurt Bock. Seitdem ist er Vize.

Insgesamt blickt Brudermüller auf 30 Jahre BASF zurück. Nie hat er woanders gearbeitet. 2013 lehnte er den Chefposten beim Gasekonzern Linde ab. Aus Dank gegenüber der BASF und weil er dort stets große Gestaltungsfreiheit genossen habe. Brudermüller sagt das mit unüberhörbarer Genugtuung. Schließlich ist Linde inzwischen auf besten Wege, ein amerikanisches Unternehmen zu werden.

Mancher Headhunter mag in solcher Ausschließlichkeit einen Nachteil sehen. Bei der BASF aber gilt lange Firmenzugehörigkeit als Ausweis besonderer Befähigung. Man kennt die Feinheiten der unzähligen Geschäfte, den komplizierten Verbund und auch die meisten Manager. Brudermüllers ältester Bekannter in der Firma rührt sogar aus einer kurzen Zeit in Berkeley, als beide noch nicht bei der BASF waren.

Zwei wichtige Förderer haben beim Fortkommen maßgeblich geholfen. Der eine ist Hanns-Helge Stechl, in den 90er Jahren Vize unter Jürgen Strube (78). Er holte Brudermüller aus der Forschung zu seinem Stab nach Ludwigshafen. Danach legte er ihm eine Station in der Produktion nahe.

Der zweite und noch wichtigere: Aufsichtsratschef Jürgen Hambrecht (71), wie Brudermüller ein Vollblut-Chemiker. Als Strategiechef entwickelte Brudermüller 2003 mit dem damals frisch gekürten CEO den BASF-Claim "The chemical Company". 2006 holte Hambrecht ihn in den Vorstand und beorderte Brudermüller nach Hongkong, von wo aus er das Asiengeschäft leitete. Und jetzt hat Hambrecht den Bundesgenossen im zweiten Versuch an die Konzernspitze gehievt.

Nun muss Brudermüller beweisen, dass er im neuen Job tatsächlich mehr bewegen kann als auf dem bisherigen Stellvertreter-Posten.

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