07.11.2018 
Gewinnrückgang und mauer Ausblick

Osram verliert an Leuchtkraft - Anleger enttäuscht

Osram: Der Gewinn ist im vergangenen Geschäftsjahr um knapp 50 Prozent eingebrochen - nun soll ein Konzernumbau die Wende bringen
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Osram: Der Gewinn ist im vergangenen Geschäftsjahr um knapp 50 Prozent eingebrochen - nun soll ein Konzernumbau die Wende bringen

Der Lichtkonzern Osram hat im vergangenen Geschäftsjahr deutlich weniger verdient. Das lag unter anderem an einer sich abschwächenden Autokonjunktur, wie das Unternehmen am Dienstagabend in München mitteilte. Die bereits gesenkten Jahresziele erreichte Osram aber.

Im vergangenen Geschäftsjahr stagnierte der Konzernumsatz bei 4,1 Milliarden Euro erreicht. Bereinigt um Währungseffekte sowie Zu- und Verkäufe erreichte Osram ein Plus von 2 Prozent. Die Marge sank von 16,8 auf 14,7 Prozent. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) nahm um 13 Prozent auf 605 Millionen Euro ab. Unter dem Strich verdiente der Konzern mit 142 Millionen Euro fast die Hälfte weniger. Im Schlussquartal fiel sogar ein Verlust von fünf Millionen Euro an.

Trotz des Gewinnrückgangs soll die Dividende mit 1,11 Euro je Aktie stabil bleiben. Als Reaktion auf die schwächere Entwicklung kündigte Vorstandschef Olaf Berlien am Mittwoch auf der Bilanzpressekonferenz des Unternehmens an, die Geschäftsbereiche neu ausrichten zu wollen.

Neuausrichtung mit drei Geschäftsbereichen

Ab dem neuen Geschäftsjahr 2018/19 soll es drei Geschäftsbereiche mit einem anderen Zuschnitt als bisher geben: Das Geschäft mit der Automobilindustrie wird ebenso zu einem Bereich zusammengefasst wie das mit der Digitalisierung. Die LED-Halbleitersparte Opto Semiconductors bleibt. Das Leuchtengeschäft sowie das US-Servicegeschäft sollen weiterhin verkauft werden.

Osram wolle sich dabei von einem Lichthersteller zu einem "Anbieter von Lösungen" entwickeln, sagte Berlien. Die Photonik biete neue Anwendungsmöglichkeiten abseits der klassischen Beleuchtung. Als Beispiele nannte er Sensorik oder Visualisierung. Dies eröffne neue Wachstumsfelder, etwa in der Industrie oder der Unterhaltungselektronik. Die Abhängigkeit vom Autogeschäft soll verringert werden. Derzeit macht das Geschäft rund die Hälfte des Umsatzes aus. Mittelfristig strebt Osram jeweils ein Drittel Umsatz in den Bereichen Auto, Industrie sowie Mobil- und Gebäudeinfrastruktur an.

Durch die Neuaufstellung will der Konzern mittelfristig wieder stärker wachsen. Zudem soll das Unternehmen in den kommenden fünf Jahren unabhängiger vom aktuell vorherrschenden Automobilgeschäft werden. Dieses schwächelt derzeit und war mitverantwortlich für den Gewinnrückgang im vergangenen Geschäftsjahr.

Osram hatte wegen der zurückhaltenden Nachfrage aus der Automobilindustrie, schwacher Geschäfte in der Beleuchtungssparte sowie Projektverschiebungen im Smartphone-Bereich bereits Ende Juni die Prognose gesenkt. Es war das zweite Mal in dem Geschäftsjahr. Das Unternehmen hatte daraufhin weitere Einsparungen angekündigt, etwa in der Verwaltung. Auch im Einkauf und bei der Forschung will Osram die Effizienz steigern.

Zurückhaltende Ziele für neues Geschäftsjahr

Für das neue Jahr hat Osram zurückhaltende Ziele ausgegeben - die bereinigte operative Marge dürfte weiter auf 12 bis 14 Prozent sinken. Der vergleichbare Umsatz dürfte stabil bleiben oder moderat um bis zu 3 Prozent wachsen. Die Prognose bezieht sich dabei noch auf die alte Struktur.

Bis 2022/23 strebt der Konzern ein jährliches Umsatzplus im mittleren einstelligen bis zweistelligen Prozentbereich an. Die bereinigte operative Marge (Ebitda) soll wieder über 15 Prozent liegen. Dabei geht Osram von stabilen Wechselkursen aus.

Der Ausblick für 2018/19 belastete die Aktie am Vormittag, sie gab um mehr als 3 Prozent nach. Die Prognose liege unter der durchschnittlichen Marktschätzung, erklärte Commerzbank-Analyst Sebatian Growe, der die Aktie von "Buy" auf "Hold" herunter stufte. Zudem dauere der Umbau des Lichttechnikkonzerns länger als gedacht. Auch Metzler-Experte Guido Hoymann stufte den Jahresausblick in einer ersten Einschätzung als "recht schwach" ein.

Von früheren Mittelfristzielen, etwa bis 2020 einen Umsatz von fünf Milliarden Euro zu erreichen, nahm Osram-Chef Berlien Abstand. Zwar wird diese Marke weiterhin angestrebt, jedoch auf "später" verschoben. Berlien begründete dies zum einen mit der neuen Organisation, zum anderen mit den veränderten Marktbedingungen, vor allem in der derzeit schwächelnden Automobilindustrie.

Für die Sparten gab sich der Konzern ebenfalls neue Ziele. Die Autosparte soll zwischen 2020 und 2023 durchschnittlich um 3 bis 7 Prozent wachsen und eine bereinigte Ebitda-Marge von 9 bis 11 Prozent erreichen. Das Digitalgeschäft soll um 3 bis 8 Prozent zulegen bei einer Marge von 5 bis 10 Prozent. Langfristig sieht Berlien hier deutliches Wachstumspotenzial, mit einem erwarteten Umsatzplus von mehr als 10 Prozent und einer Rendite über 10 Prozent. Opto Semi soll über den Zyklus ein Umsatzplus von rund 10 Prozent und eine bereinigte Ebitda-Marge von 23 bis 29 Prozent erreichen.

mg/dpa-afx

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