01.08.2017  Digitales hat Nachholbedarf

In welchen Branchen Deutschland Innovationstreiber ist - und in welchen nicht

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Der Erfindungsreichtum deutscher Ingenieure hat zuletzt vor allem für negative Schlagzeilen gesorgt. Eine Auswertung von Daten des Europäischen Patentamts (EPO, European Patent Office) zeigt allerdings: Gerade in Branchen, die mehr oder weniger stark mit der zuletzt so gescholtenen Autoindustrie zusammenhängen, hat Deutschland im vergangenen Jahr besonders viele Innovationen (in Form von Patenten) hervorgebracht.

Die Grafik von Statista zeigt, dass deutsche Konzerne, Unternehmen, Hochschulen und Erfinder in den Bereichen Mechanik, Maschinen- und Werkzeugbau sowie im Transportwesen für jeweils rund ein Drittel aller vom EPO erteilten Patente verantwortlich waren. Auch am anderen Ende des Rankings werden Klischees von Wirtschaftsdeutschland bestätigt: In den Bereichen Telekommunikation und digitale Kommunikation haben sich deutsche Unternehmen wenig Patente gesichert.

Innovationskraft wird nicht nur an Patenten gemessen

Ein hoher Ausstoß an Patenten ist gleichwohl nicht der einzige Indikator für innovative Unternehmen und Erfinder - Kritiker des Patentsystems wie Rickard Falkvinge, der Gründer der schwedischen Piratenpartei, gehen sogar so weit, ihm Fortschrittsfeindlichkeit vorzuwerfen. Falkvinge kritisiert etwa, dass Patente immer häufiger genutzt würden, um Konkurrenten im Rahmen langwieriger Prozesse das Leben schwer zu machen.

Dass Unternehmen auch ohne aggressive Patent-Politik höchst innovativ sein können, zeigt etwa der amerikanische Autohersteller Local Motors. Die Amerikaner arbeiten stark mit einer Online-Community zusammen, lassen dort Ideen entwickeln und diskutieren - "digital co-creation" - und haben so in nur 18 Monaten einen neuen Geländewagen entwickelt. Der "Rally Fighter" war schlussendlich sogar cool genug für eine Gastrolle im "Transformers"-Film "Age of Extinction".

luk

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