01.09.2017 
Folgen für Autos, Bau, Schuhe, Windeln

"Harvey" verknappt wichtigste Chemikalie der Welt

Von
Raffinerie von Marathon in Texas City am 26. August
AFP
Raffinerie von Marathon in Texas City am 26. August

Der wirtschaftliche Schaden des Hurrikans "Harvey" kann bisher nur grob geschätzt werden. Von mehr als 120 Milliarden Dollar Kosten spricht der texanische Gouverneur Greg Abbott.

Zu den größten Folgen zählt der Zusammenbruch der Lieferketten in der Chemieindustrie - auch ohne spektakuläre Explosionen in Fabriken.

Wie "Bloomberg" schreibt, sind laut dem Informatiosdienst PetroChemWire 61 Prozent der US-Produktionskapazität für Ethylen (chemisch korrekte Bezeichung: Ethen) als Folge von Sturm und Flut geschlossen. Schon vor "Harvey" sei die wachsende Nachfrage nach der wichtigsten Grundchemikalie kaum zu bedienen gewesen. Jetzt beginnen die weiterverarbeitenden Chemiefirmen, vor lang anhaltenden Ausfällen zu warnen.

Rund um die von "Harvey" verwüstete Metropole Houston ballen sich die Raffinerien und Cracker, die Erdöl und Erdgas weiterverarbeiten. Ethylen zählt zu den ersten Verarbeitungsstufen, wenn die Molekülverbindungen unter großer Hitze aufgebrochen werden. "Bloomberg" zählt auf, wie vielfältig das Gas und seine Folgeprodukte verwendet werden.

Über kurz oder lang dürfte der Mangel an Ethylen die Produktion von Autoteilen ebenso treffen wie die von Babywindeln. "Ethylen ist wirklich die große Petrochemikalie, die die gesamte Industrie bewegt", sagt Nexant-Analyst Chirag Kothari.

So weitreichend die Folgen sind, so ruhig erscheint die Lage gemessen an den Rohstoffpreisen. Erdgas kostet an den US-Börsen nach "Harvey" ähnlich viel wie davor. Öl ist um einige Dollar pro Fass billiger geworden - obwohl der Sturm zu Beginn auch einen Großteil der Bohrinseln im Golf von Mexiko zum Stillstand gezwungen hat. Das Angebot der Energierohstoffe ist drastisch gesunken, aber die Nachfrage wegen der stillgelegten Chemiefabriken noch mehr.

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