25.01.2018 
Saudischer Erdölkonzern forscht an sparsameren Motoren

So wappnet sich der Ölriese Aramco gegen Elektroautos

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Aramco-Ölfeld in Saudi-Arabien: Der Konzern forscht nun auch selbst an sparsameren Motoren
REUTERS
Aramco-Ölfeld in Saudi-Arabien: Der Konzern forscht nun auch selbst an sparsameren Motoren

Jahrzehntelang hatte der saudi-arabische Ölgigant Aramco ein vergleichsweise einfaches Geschäftsmodell: Die weltweite Nachfrage nach Erdöl stieg allen Peak-Oil-Prognosen zum Trotz stetig, Aramco lieferte. Doch das einträgliche Treibstoff-Geschäft der Saudis könnte bald unter Druck geraten: Autohersteller wollen in den kommenden Jahren Millionen von Elektroautos verkaufen, um die ehrgeizigen Klimaschutz-Ziele in den Automärkten zu erfüllen.

Das bewegt auch Aramco zum Umdenken. Der weltgrößte Ölexporteur investiert nicht mehr nur ins Ölgeschäft, sondern steckt auch Geld in die Forschung an sparsameren Verbrennungsmotoren. Das berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg . Das Ziel der Saudis: Sie wollen die weltweite Nachfrage nach Treibstoffen für Jahrzehnte hochhalten, indem sie Motoren effizienter und damit kostengünstiger als bisher machen.

Dazu untersucht Aramco "radikal neue Motortechnologien", wie Aramco-Manager Ahmed al-Khowaiter in einem Interview erzählte. In eigenen Forschungszentren in Detroit und Paris entwickeln Aramco-Ingenieure gemeinsam mit Fachleuten aus der Autoindustrie etwa Benzinmotoren, die ähnlich wie ein Dieselmotor arbeiten - also das Benzin -Luft-Gemisch in den Zylindern durch Kompression statt mit Zündkerzen zur Explosion bringen. An solchen Aggregaten arbeitet aktuell auch der japanische Hersteller Mazda. Die ersten dieser "Diesotto" genannten Motoren will Mazda ab 2019 in seine Fahrzeuge einbauen.

Aramco sieht sein Treibstoff-Geschäft nicht in Gefahr

Laut Aramco soll so die Effizienz eines Benzinmotors von 30 auf mehr als 40 Prozent steigen. Gemeinsam mit dem kalifornischen Unternehmen Achates Power forscht Aramco zudem an einem Lkw-Motor, dessen Kolben gegenläufig angeordnet sind. Dieser Motor soll mit einer Tankfüllung auf eine doppelt so hohe Reichweite kommen wie ein herkömmliches Truck-Aggregat. Die Forscher hätten bereits mit dem Test verschiedener Treibstoffe für den Lkw-Motor begonnen, erklärte Al-Khoweiter. In den kommenden zwei Monaten sollte es erste Ergebnisse geben.

Laut Al-Khowaiter, Aramcos Vize-Präsident für Technologieaufsicht und Koordination, sieht der Ölgigant der arabischen Welt bislang keine ernsthafte Bedrohung für sein Geschäft mit Treibstoffen. Seine Begründung dafür: Auch in Länder wie China werden noch lange Autos mit Verbrennungsmotor fahren, die Nachfrage für Nutzfahrzeuge werde weiter wachsen, und in Schiff- und Luftfahrt steige die Nutzung von Öl-Treibstoffen. Zudem hätten 99 Prozent der weltweiten Fahrzeuge nach wie vor einen Verbrennungsmotor an Bord. "Das wird noch eine lange Zeit so bleiben, für die kommenden Jahrzehnte", sagte Al-Khoweiter.

Dem künftigen Treibstoffgeschäft hilft, dass Aramco über die weltgrößten Öl-Reserven mit geschätzten 260 Milliarden Barrel verfügt. Allerdings ändert sich in Kürze Einschneidendes bei dem Unternehmen selbst: Denn Saudi-Arabien will einen kleinen Teil seines Ölgiganten verscherbeln. Seit längerem bereitet Aramco einen Börsengang vor, der 100 Milliarden Dollar einbringen soll - für einen Anteil von gerade einmal 5 Prozent des Unternehmens. Seit wenigen Wochen firmiert der Ölriese deshalb als Aktiengesellschaft.

Aramcos Gang an die Börse ist zentraler Teil eines groß angelegten Umbaus der saudischen Wirtschaft, für den der mächtige Kronprinz Mohammed bin Salman verantwortlich ist. Der "Vision 2030" genannte Plan verfolgt das Ziel, das islamisch-konservative Königreich unabhängiger vom Öl zu machen. Zu dem Plan gehört auch der Bau einer ganzen Stadt für 500 Milliarden Dollar, bei der der frühere Siemens-Chef Klaus Kleinfeld eine wichtige Rolle spielt.

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