27.11.2018 
Tesla-Chef pflegt Visionärs-Image

Musk will auf dem Mars leben - Tesla trennten nur Wochen von Pleite

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Laut Elon Musk war Tesla nur wenige Wochen von der Pleite entfernt: "Ich habe es nur getan, weil die Chance groß war, dass Tesla sonst sterben würde"
REUTERS
Laut Elon Musk war Tesla nur wenige Wochen von der Pleite entfernt: "Ich habe es nur getan, weil die Chance groß war, dass Tesla sonst sterben würde"

Tesla-Chef Elon Musk müht sich sichtlich darum, sein ramponiertes Image als genialer Seriengründer wieder etwas aufzupolieren. Zuletzt zweifelten viele daran, ob Musk noch bei klarem Verstand und fähig sei, mehrere Unternehmen zu führen. Im Sommer hatte sich Musk durch einen Tweet zu Börsenrückzugsplänen mit der US-Börsenaufsicht SEC angelegt, der ihn letztlich Millionen Dollar und Einfluss bei Tesla kostete. In einem Gespräch mit New York Times-Reportern gab er außerdem regelmäßige Schlafmittel-Nutzung zu und klagte über enorme persönliche Belastungen. Wenige Wochen später zog er in einer Internet-Talkshow an einem Marihuana-Joint - was bei Investoren und sonstigen Stakeholdern der von ihm geführten Unternehmen alles andere als gut ankam.

Model 3 wieder in der Spur - wie Tesla der Produktionshölle entkam

In den vergangenen Wochen hat Tesla aber die Produktionsprobleme beim Model 3 hinter sich gelassen. Musk nimmt sich nun Zeit, sein bizarres Verhalten öffentlich genauer zu erklären - zuletzt in einem Podcast, nun in einem TV-Interview. Dabei schaffte er es geschickt, die Erklärungen für sein erratisches Verhalten mit etwas anderem zu überstrahlen: Er machte einmal mehr höchst ambitionierte Ankündigungen zu einem Leben auf dem Mars.

In einem TV-Interview mit Reportern der Nachrichtenseite Axios, das bei dem US-Bezahlsender HBO ausgestrahlt wird, sprach er erneut über die turbulenten vergangenen Monate und die persönlichen Belastungen, die ihm die Lösung der "Produktionshölle" beim Model 3 einbrockten. "Sehr schmerzhaft" sei das gewesen, erklärte Musk. In früheren Interviews hatte er bereits berichtet, die Fabrik drei oder vier Tage hintereinander gar nicht verlassen und fast rund um die Uhr gearbeitet zu haben.

Tesla hat im Frühjahr und Sommer "wie verrückt" Geld verbrannt

Dieses Arbeitspensum sei an seine persönlichen psychischen wie physischen Grenzen gegangen, gab Musk nun zu: Es habe seinem "Hirn und Herz" Schmerzen zugefügt und sei niemandem zu empfehlen. "Ich habe es nur getan, weil die Chance groß war, dass Tesla sonst sterben würde", sagte er gegenüber Axios. Tesla habe im Frühjahr und Sommer dieses Jahres "wie verrückt" Geld verloren. Wenn man die Produktionsprobleme nicht in einer "sehr kurzen Zeitspanne" gelöst hätte, wäre der Elektroautohersteller pleite gegangen.

Es sei darum um eine "einstellige Wochenzahl" gegangen, die Tesla noch vom Tod trennte, bevor der Elektroautobauer seine Produktionsziele für das Model 3 erreichte.

Damit legte Musk erneut nahe, dass Überarbeitung der Grund für sein erratisches Verhalten war. Zuletzt hat er aber auch betont, dass Tesla - und damit auch er - diese schwierigen Zeiten nun überwunden habe. Bei der Produktion des Model 3 sei Tesla nun "über den Berg", sagte Musk Anfang November in einem Podcast des Technologieblogs Recode. 5000 Fahrzeuge pro Woche seien nun Normalität, man arbeite nun am Hochschrauben auf 6000 bis 7000 Stück pro Woche. Und zuletzt wies Tesla in Quartalsberichten auch erstmals seit Jahren Gewinne aus.

Doch Musk treiben längst nicht nur irdische Ziele um, wie er dem Axios-Interview bekräftigte. Seit Jahren ist es sein erklärtes Ziel, Menschen in den Weltraum und zum Nachbarplaneten Mars zu schicken. Die passende Rakete dafür hat Musk bereits, das von ihm geführte Raumfahrt-Unternehmen SpaceX arbeitet auch an einem passenden Raumschiff. Den ersten unbemannten Flug zum Mars will SpaceX im Jahr 2022 losschicken, zwei Jahre später sollen die ersten Astronauten auf Mars-Mission gehen.

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