17.04.2018  Werbe-Riese WPP nach Martin Sorrell

Ein Imperium ohne Kaiser

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Sir Martin Sorrell: Der Chef des Werbegiganten WPP ist abgetreten, ohne einen Nachfolger aufzubauen
Bloomberg via Getty Images
Sir Martin Sorrell: Der Chef des Werbegiganten WPP ist abgetreten, ohne einen Nachfolger aufzubauen

2. Teil: "Wir hören nie damit auf, andere zu kaufen"

Die 864 Millionen Dollar schwere Übernahme kommt WPP später teuer zu stehen. 1990 lässt eine Gewinnwarnung die Aktie des nach der Übernahme hoch verschuldeten Konzerns innerhalb von vier Tagen um 66 Prozent einbrechen, wie das Branchenblatt "Adage" schreibt. 1992 ist der Tiefpunkt erreicht. Die Aktie notiert bei nur noch 2,50 Pfund.

Acht Jahre später im Mai 2000, ist der Finanzmanager wieder oben auf. Für 4,7 Milliarden Dollar verleibt sich WPP den Werbe-Riesen Young & Rubicam ein - und schließt immer mehr zum Marktführer Omnicom auf.

Und es geht längst nicht mehr nur noch um Werbung. Auch in Segmente wie Marktforschung, Datenanalyse und Öffentlichkeitsarbeit drängt WPP mit Macht.

Die Einkaufstour geht weiter: 2003 folgt die Übernahme der Cordiant Communications Group, 2005 für 1,8 Milliarden Dollar die von Grey, 2008 die des Marktforschers TNS - ein Deal mit dem WPP schließlich Onmicom an Größe überholt.

2012 verleibt sich der Werberiese WPP schließlich noch die US-Digitalagentur AKQA ein, nachdem er sich ein Jahr zuvor auch bei der Scholz-&-Friends-Mutter Vice Media eingekauft hat. "Wir hören nie damit auf, andere zu kaufen", skizziert Sorrell seine Strategie.

Als 2014 der geplante Merger von Publicis und Omnicom platzt, ist Sorrell der lachende Dritte. Seine Agenturen profitieren von der Hängepartie und jagen der Konkurrenz reihenweise Kunden ab.

2017 wird im Zuge zahlloser weiterer kleinerer Zukäufe schließlich auch die Hamburger Agentur Thjnk Teil von Sorrells Imperium, zu dem mittlerweile 405 Einzelunternehmen in 112 Ländern zählen. Rund 200.000 Mitarbeiter erwirtschafteten dort alleine im vergangenen Jahr etwa 17 Milliarden Euro Umsatz.

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