16.08.2017  Offerte von Bain Capital und Cinven

Stada-Übernahme geht ins Finale

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Es wird eng: Bis Mitternacht können Anleger ihre Aktien den Finanzinvestoren Bain Capital und Cinven andienen.
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Es wird eng: Bis Mitternacht können Anleger ihre Aktien den Finanzinvestoren Bain Capital und Cinven andienen.

Entscheidung bei Stada: Den Finanzinvestoren Bain Capital und Cinven fehlen noch 17 Prozent der Anteile. Sie brauchen einen Schlussspurt, damit die größte Übernahme privater Investoren in Deutschland Erfolg hat.

Es wird ein knappes Rennen - oder wie ein Banker sich zu der Übernahme des Arzeneimittelherstellers äußerte: "sicher kein Home Run". Die Finanzinvestoren Bain Capital und Cinven müssen noch rund 17 Prozent der Stada-Aktionäre bis Mittwochabend überzeugen. Bis Dienstagabend (18 Uhr) nahmen rund 46 Prozent der Anteilseigner das Angebot der Beteiligungsgesellschaften an, wie diese am Mittwoch mitteilten.

Es ist kein leichtes Spiel: Damit die 5,3 Milliarden schwere und größte Übernahmeofferte der deutschen Geschichte nicht erneut scheitert, müssen sie bis Mitternacht mindestens 63 Prozent der Papiere einsammeln. Und auch Anleger zittern mit: Stada-Aktien fielen am späten Vormittag um 0,51 Prozent auf 64,26 Euro.

Schon beim ersten, erfolglosen Anlauf vor zwei Monaten sah die Zahl bis zum Tag vor Ablauf der Frist ähnlich aus: Erst 41,4 Prozent der Stada-Anteilseigner hatten ihre Aktien zu diesem Zeitpunkt der Offerte angedient - die Mindestschwelle hatten Bain und Cinven damals auf 67,5 Prozent angesetzt. Also rund 4,5 Prozent höher als beim zweiten Versuch.

Es ist nicht selten, dass professionelle Anleger bis zur letzten Minute abwarten, ehe sie sich entscheiden. Sie sind diejenigen, die man hier als "Playmaker" bezeichnen kann: Das Zentrum, bestehend aus Hedgefonds und anderen kurzfristigen Investoren, das inzwischen 50 Prozent an Stada hält und den Ausgang entscheidend mitbestimmt. Auf sie kommt nun voraussichtlich alles an. Denn die privaten Anleger, von denen viele Apotheker sind, waren auf die Offerte in deutlich geringerem Maße eingestiegen als beim letzten Mal. Um vielleicht eine höhere Abfindung zu erhalten, hatten außerdem viele Hedgefonds damals zumindest einen Teil ihrer Aktien zurückgehalten. Der Grund: Eine höhere Abfindung schien so wahrscheinlicher.

Angebot erhöht, Annahmeschwelle gesenkt

66,25 Euro je Aktie bieten die Finanzinvestoren den Aktionären des in Bad Vilbel (Hessen) ansässigen Unternehmens. Das sind rund 25 Cent mehr als noch beim ersten Versuch vor zwei Monaten. Frei nach dem Motto "just to be on the safe side", hatten Bain und Cinven die Mindestannahmeschwelle gesenkt. Und sich obendrauf bereits vorab fast 20 Prozent der Anteile gesichert.

Analyst Daniel Wendorff von der Commerzbank hatte Mitte der Woche eher eine skeptische Sicht. Er bezeichnete die aktuelle Situation als "Tanz auf Messers Schneide". Wendorff stufte die Aktien von "Hold" auf "Reduce" ab und senkte das Kursziel. Das neue Ziel: eine Mischung aus dem Angebotspreis und seiner fundamentalen Bewertung der Papiere. Diese liege bei 50 Euro. Im Februar hatten die Stada-Anteilsscheine knapp unter dieser Marke notiert. Dann sorgten die Übernahme-Spekulationen für einen Kurssprung.

Der neue Stada-Chef Engelbert Tjeenk Willink sieht das Risiko eines erneuten Scheiterns: Unbekannte Absichten der kurzfristig orientieren Hedgefonds und aktivistischen Aktionäre erhöhen die Gefahr einer feindlichen Übernahme oder Zerschlagung, so Willink. Deshalb richtete er sich gemeinsam mit dem Beirat auch offensiv mit einem flehenden Appell an die Aktionäre.

Die größten Deals von Private Equity Investoren in Deutschland

Die Dringlichkeit seiner Anrede wird nicht nur durch die Einbindung des Beirats deutlich - sondern auch, wenn man die potenzielle Übernahme mit anderen erfolgreichen Offerten aus der Vergangenheit vergleicht: Mit 5,3 Milliarden Euro Transaktionsvolumen stände die Stada-Übernahme an der Spitze der Private-Equity-Transaktionen in Deutschland.

Zuletzt hatten KKR und Goldman Sachs 2014 die letzten Anteile der KionGroup für rund 4 Milliarden Euro von der Linde AG gekauft. Lässt man Sonderfälle wie Deals aus dem Immobilienbereich, die nicht mit der Stada-Übernahme vergleichbar sind, außen vor, stehen Tank&Rast, Hugo Boss, Springer Science&Business, Messer Griesheim und Ista im oberen Bereich mit jeweils mehr als 3 Milliarden Euro.

Es bleibt abzuwarten, wie sich die Hedgefonds entscheiden. Vor allem auf den US-Investor Paul Singer richten Bain Capital und Cinven ihre Augen: Singer pokert als einer von wenigen aktivistischen Investoren häufig bei Übernahmen in Deutschland mit. Was er mit seinem Anteil plant? Bis jetzt weiß es keiner.

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