10.08.2017  Gespräche zwischen ThyssenKrupp und Tata dauern an

Aufspaltung statt Stahl-Hochzeit mit Tata?

Stahlarbeiter am Hochofen Schwelgern: Gewinn von Thyssen steigt im dritten Quartal auf 620 Millionen Euro
DPA
Stahlarbeiter am Hochofen Schwelgern: Gewinn von Thyssen steigt im dritten Quartal auf 620 Millionen Euro

Die Verhandlungen zwischen dem Industriekonzern ThyssenKrupp und der indischen Tata über eine Zusammenlegung ihres europäischen Stahlgeschäfts dauern an. "Wir sprechen unter anderem weiter mit Tata über ein Stahl-Joint-Venture", sagte Finanzvorstand Guido Kerkhoff in einer Telefonkonferenz zur Veröffentlichung der Drittquartalszahlen. Dennoch wolle man sich nicht unter Zeitdruck setzen lassen.

Über den Zeitrahmen wollte Kerkhoff sich nicht äußern. "Qualität geht vor Zeit." So müssten bestimmte Mindestverpflichtungen erfüllt sein, wie etwa Tatas Problem mit britischen Pensionsverpflichtungen. Auch wenn Tata dafür eine Lösung gefunden habe, müsse diese von Thyssenkrupp erst geprüft werden.

Natürlich wäre ihm "schneller lieber", so der Finanzvorstand. Ob es noch in diesem Geschäftjahr, das bis 30. September läuft, eine Einigung geben wird, wollte Kerkhoff "weder bestätigen noch dementieren".

Mehrere Optionen zur Lösung des Stahlproblems

Thyssenkrupp prüft mehrere Optionen zur Lösung seines Stahlproblems. Angesichts der anhaltenden Überkapazitäten hält der Konzern eine Konsolidierung für erforderlich. Die Gewerkschaft sträubt sich jedoch gegen einen Zusammenschluss mit Tata Steel und hat dies immer wieder deutlich gemacht. Sie fürchtet Werksschließungen und Arbeitsplatzverluste. Kerkhoff glaubt dabei an einen "konstruktiven Dialog" mit den Arbeitnehmervertretern.

Aufspaltung statt Stahlhochzeit?

Zuletzt waren auch Spekulationen über andere Möglichkeiten aufgetaucht. So berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen, dass der Dax -Konzern als Alternative zur Stahlhochzeit eine radikale Aufspaltung erwäge.

Dabei könnte Thyssenkrupp das europäische Stahlgeschäft behalten und die meisten anderen Aktivitäten abspalten. Der Finanzvorstand wollte sich dazu nicht äußern.

Stahlsparte sorgt für Gewinnsprung

Ausgerechnet die vor einer ungewissen Zukunft stehende Stahlsparte hat Thyssenkrupp unterdessen im abgelaufenen Quartal eine deutliche Gewinnsteigerung beschert. Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) des Konzerns stieg im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2016/17 (per Ende September) um 41 Prozent auf 620 Millionen Euro, wie ThyssenKrupp am Donnerstag mitteilte. Analysten hatten im Schnitt nur mit 493 Millionen Euro gerechnet. Unter dem Strich fuhr der Konzern einen Gewinn von 120 Millionen Euro ein.

Die europäische Stahlsparte konnte dank höherer Preise ihr Ergebnis auf 232 Millionen Euro mehr als verdoppeln. Vorstandschef Heinrich Hiesinger will sich davon aber nicht von seinem Kurs abbringen lassen. Er will die Technologiegeschäfte mit Aufzügen, Maschinen und Autoteilen ausbauen und die Stahlsparte mit dem Konkurrenten Tata Steel fusionieren.

"Zu große Schwwankungen im Stahlgeschäft"

"Die Erholung der Ergebnisse bei den Werkstoffgeschäften freut uns", sagte der Manager. Die großen Schwankungen von einem Quartal zum anderen zeigten jedoch einmal mehr, dass seine Richtung stimme. Die Industriegüter- und Dienstleistungsgeschäfte sollten ausgebaut werden.

"So werden wir in Zukunft stabilere Ergebnisse erwirtschaften und profitabel wachsen." Die Aufzugssparte konnte ihr Ergebnis erneut verbessern, während der Anlagenbau weiter mit Einbußen kämpft.

Hiesinger bekräftigte die Prognose, wonach das bereinigte Ebit im Gesamtjahr auf 1,8 Milliarden Euro von 1,47 Milliarden Euro zulegen soll. Wegen der hohen Abschreibungen beim Verkauf seines brasilianischen Stahlwerks erwartet Thyssenkrupp aber unter dem Strich einen deutlichen Verlust. Nach neun Monaten liegt der Fehlbetrag bei 751 Millionen Euro.

la/reuters

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