18.10.2016  US-Getränkeindustrie spendet für Feind und Freund

Wie Pepsi und Coca-Cola mit Millionen Kritiker zum Schweigen bringen

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Pepsi und Coca-Cola sollen sich mit Millionenspenden das Wohlwollen von vielen US-Gesundheitsorganisationen erkauft haben. Zugleich investierten sie enorme Summen in die Lobbyarbeit, um eine Zuckersteuer oder nachteilige Gesetze zu verhindern - offenbar vergebens. Im November könnte die Branche ihre größte Niederlage erleiden.

Die Konzerne Coca-Cola und PepsiCo haben in den vergangenen Jahren viele Millionen Dollar an Gesundheitsorganisationen und ihr nahestehende Vereine überwiesen. Gleichzeitig investierten die Konzerne und ihr Interessenverband zwischen 2011 und 2015 etwa 50 Millionen Dollar in die Lobbyarbeit, um Gesetze und Initiativen zu verhindern, die die Erlöse der Getränkeindustrie hätten empfindlich schmälern können. Das berichtet die New York Times" (NYT) unter Berufung auf eine Studie von Forschern der Boston University.

Die Studie "Sponsorship of National Health Organizations by two Major Soda Companies" dokumentiere tiefe finanzielle Verbindungen zu den rund 100 in den vergangenen Jahren mit Spenden bedachten Organisationen. Dies sei Teil einer Doppelstrategie: Kritiker sollen so zum Schweigen gebracht und Verbündete im Kampf gegen eine drohende Zuckersteuer oder andere Auflagen gefunden werden, zitiert die NYT aus der Studie.

Die Autoren Michael Siegel und Daniel Aaron, Wissenschaftler der Boston University, haben für ihre Untersuchung öffentlich zugängliche Quellen, medizinische Literatur und Informationen der Getränkekonzern ausgewertet. Die im "American Journal of Preventive Medicine" veröffentlichte Studie biete erstmals einen tiefen und umfassenden Einblick in die Strategie der Branche.

Und plötzlich hüllten sich die Gegner in Schweigen ...

Für die Jahre 2011 bis 2015 listet sie minutiös Spenden und Lobbyausgaben der Konzerne auf - ein Zeitraum, in dem zahlreiche US-Städte im Kampf gegen Fettleibigkeit Steuern auf zuckerhaltige Getränke und andere einschränkende Vorschriften diskutierten.

"Wir wollten uns ansehen, wofür die Unternehmen wirklich stehen", zitiert die Zeitung Aaron. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass es den Konzernen bei ihren Spenden nicht darum ginge, die öffentliche Gesundheit zu fördern. "Tatsächlich agierten sie auf ganzer Linie dagegen, was auch ihre Patenschaften zu den Gesundheitsorganisationen in Frage stellt." Die Industrie habe jene Gruppen, die die Spenden annehmen, in schwere Interessenkonflikte manövriert.

Die Spenden verfehlten ihre Wirkung offenbar nicht: Dem Bericht zufolge stießen die Forscher auf eine ganze Reihe von Fällen, bei denen mit Geld bedachte Organisationen ihr Engagement für die Einführung einer Zuckersteuer auf Limonaden einstellten oder sich plötzlich in auffälliges Schweigen hüllten, wenn es in der öffentlichen Diskussion um genau dieses Thema ging.

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