19.01.2018 
Angeschlagener Konzern verkauft Luxus-Jet

So luxuriös flogen Steinhoff-Manager

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imago/ZUMA Press

Der mit mindestens 13 Milliarden Dollar verschuldete deutsch-südafrikanische Möbelhändler Steinhoff kämpft derzeit um jeden Dollar und jeden Euro, um fällige Zinsen auf Schulden zu bezahlen. Steinhoff erwartete bis Ende dieser Woche die erste Tranche für eine 200 Millionen Euro schwere Zwischenfinanzierung für das wichtige Europa-Geschäft.

Zugleich versucht der Konzern, der aus einem undurchdringbaren Geflecht an Gesellschaften besteht, einzelne Assets zu verkaufen, um dringend benötigte Liquidität für das operative Geschäft zu sichern. Viel mehr als den berühmten Tropfen auf den heißen Stein dürften einzelne, bislang kolportierte Immobilienverkäufe wohl nicht eingebracht haben.

Jetzt hat Steinhoff gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg den Verkauf eines luxuriösen Privatjets vom Typ Gulftream 550 bestätigt, der sinnbildlich für den steilen Aufstieg und jähen Absturz des Möbelriesen steht.

Ausgestattet mit cremefarbenen Ledersitzen, goldfarben schimmernden Wasserhähnen und Marmor im Bad, hochglanzlackierten Holzinnenausbauten und Platz für bis zu 16 Personen sollte der Jet Ex-Chef Markus Jooste und anderen Steinhoff-Managern die langen Flüge zwischen der Europa-Holding in den Niederlanden und Südafrika angenehm verkürzen.

Gegründet vor 53 Jahren von Bruno Steinhoff hatte Jooste das Unternehmen mit hohem Tempo durch immer neue Zukäufe zu dem hinter Ikea weltweit zweitgrößten Haushaltswaren- und Möbelkonzern aufgebaut - mit einem angeblichen Umsatz von 20 Milliarden Euro und weit mehr als 100.000 Beschäftigten.

Der Jet war laut "Handelsblatt" am 3. Dezember zu seinem vorerst letzten Flug von Deutschland aus nach Kapstadt in Südafrika gestartet. Steinhoff habe das Flugzeug kurz darauf zum Verkauf angeboten, nachdem bei Auslandstöchtern Unregelmäßigkeiten in der Bilanz entdeckt worden waren und die Aktie binnen 48 Stunden gut 80 Prozent ihres Wertes verloren hatte.

Sollte Jooste zu diesem Zeitpunkt den Jet noch genutzt haben, dürfte es wohl das letzte Mal gewesen sein: Der Manager trat am 5. Dezember Knall auf Fall von seinem Posten zurück - nach mehr als 20 Jahren an der Spitze.

Welchen Preis Steinhoff für den Luxus-Flieger erzielte, ist nicht bekannt. Die Gulfstream soll zuletzt mit einem Verkaufspreis von knapp 25 Millionen Dollar beworben worden sein. Die Übergabe des Flugzeugs sei laut Bloomberg zur selben Zeit erfolgt, als der Ex-Vorstandschef Jooste versucht habe, seine Residenz nahe Kapstadt mit Weinbergen und Pferdestallungen für umgerechnet 1,2 Millionen Dollar zu verkaufen. Ob ihm dies gelang, ist nicht überliefert.

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