22.01.2018 
Milliardendeal mit Yoox Net-A-Porter

Luxusgüterkonzern Richemont drängt in den Onlinehandel

Bild von einer Cartier-Uhr: Auch der Luxusuhren-Hersteller Cartier gehört zur Schweizerischen Richemont-Gruppe
AFP
Bild von einer Cartier-Uhr: Auch der Luxusuhren-Hersteller Cartier gehört zur Schweizerischen Richemont-Gruppe

Der Luxusgüterkonzern Richemont will die Online-Verkaufsplattform Yoox Net-A-Porter (YNAP) ganz übernehmen. Den Aktionären der an der italienischen Börse notierten Gesellschaft werden 38 Euro je Aktie geboten, wie Richemont am Montag mitteilte. Das entspricht einem Aufpreis von rund 26 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vom Freitag. Insgesamt zahlt der Konzern aus Genf für den Internet-Luxusmodehändler damit rund 2,8 Milliarden Euro.

Damit holt sich Richemont die Onlineplattform zurück in die eigene Gruppe. Im Jahr 2015 hatte der Konzern die Tochter Net-a-Porter mit dem eigenständigen italienischen Internet-Kleiderhändler Yoox zur YNAP verschmolzen. Richemont beteiligte sich mit 50 Prozent an der neu geschaffenen Gesellschaft und zeigte sich bereit, Anteile davon an strategische Partner weiterzugeben. Bis heute blieb Richemont jedoch Großaktionär bei YNAP.

Im Rahmen des nun vorgelegten Angebots verzichte YNAP auf die in dem am 31. März 2015 geschlossenen Aktionärsbindungsvertrags enthaltenen Stillhalteverpflichtung, die Richemont daran hinderte, weitere Stammaktien von YNAP zu erwerben, hieß es weiter. Darüber hinaus habe YNAP-Chef Federico Marchetti zugesagt, alle die von ihm gehaltenen YNAP-Aktien anzudienen.

Mit der vollen Übernahme von YNAP wolle Richemont seine Online-Vertriebskanäle stärken, hieß es weiter. YNAP soll im Richemont-Konzern weiterhin als eigenständiges Unternehmen operieren. Das Schweizer Unternehmen ist nach dem französischen Branchenprimus LVMH der zweitgrößte Hersteller von Luxusuhren, Schmuck, teurer Bekleidung und Lederwaren. Im Geschäftsjahr 2017 (per Ende März) verbuchte der Konzern bei einem Umsatz von 10,65 Milliarden Euro einen Gewinn von 1,21 Milliarden Euro. Yoox Net-A-Porter erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 2,1 Milliarden Euro.

Analysten begrüßten das Vorhaben, da der Vertrieb über das Internet immer wichtiger werde. "Die Übernahme kann grundsätzlich nachvollzogen werden", kommentierte Patrik Schwendimann von der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Der Kauf werde zwar die Betriebsgewinnmarge verwässern, nicht aber den Gewinn je Aktie, da Richemont den Zukauf mit Barmitteln tätigen könne, merkte er an. Rene Weber von der Bank Vontobel geht davon aus, dass der Zukauf das Wachstum von Richemont ankurbeln dürfte.

An der Börse verloren Richemont-Aktien zu Wochenbeginn leicht an Terrain. Yoox-Net-A-Porter schossen dagegen um rund ein Fünftel auf 37,64 Euro und damit fast auf den Angebotspreis hoch.

mg/dpa-afx/rtr

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