29.05.2018 
JAB nimmt Kampfansage von Nestlé an

Familie Reimann hat noch nicht genug

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Die deutsche Milliardärsfamilie Reimann schmiedet weiter an ihrem Kaffee- und Frühstücksimperium. Neuster Zukauf: Die britische Sandwichkette Pret A Manger, die weltweit 530 Sandwich-Läden betreibt und im Herbst in Berlin ihre erste Filiale in Deutschland eröffnen will.

Wieviel JAB dem Finanzinvestor Bridgepoint für das Unternehmen zahlt, dazu äußerten sich die beteiligten Parteien offiziell nicht. Die "Financial Times" berichtete, JAB lege inklusive Schulden 1,5 Milliarden Pfund (1,7 Milliarden Euro) auf den Tisch. Die 1986 in London gegründete Sandwich-Kette erwirtschafte zuletzt einen Umsatz von 879 Millionen Pfund.

Die Übernahme der vor allem in Großbritannien und den USA aktiven Kette ist nur das letzte einer ganzen Reihe von Investments.

Innerhalb weniger Jahre hat die Familienholding der Reimanns, JAB, geführt von erfahrenen Managern aus der Branche für mehr als 30 Milliarden Euro ein Kaffee- und Frühstücksimperium zusammengekauft.

Neben dem Kaffeeriesen Jacobs Douwe Egberts ("Jacobs", "Tassimo", "Senseo") und dem direkten amerikanischen Nespresso-Konkurrenten Keurig kaufte JAB - auch mit dem Geld externer Investoren - Ketten wie Baresso, Balzac, Espresso House, Peet's Coffee, Intelligentsia, Stumptown, Panera Bread, Krispy Kreme Doughnuts und Einstein Bros Bagels, Caribou Coffee und Au Bon Pain zusammen. Zudem beteiligten sich die Deutschen an einem Onlinemarktplatz für Edel-Kaffee, der ikonische Marken wie Stumptown oder Intelligentsia auch zu Kaffeefreunden in abgelegenere Ecken der USA bringen soll.

Über die Übernahme von Dr Pepper Snapple, der Nummer drei auf dem US-Erfrischungsgetränkemarkt, sicherte sich der Clan kürzlich zusätzliche Marktzugänge und einen weiteren Distributionskanal - und drängte damit die Schweizer in den USA weiter in die Enge. Der Gegner, machte das JAB-Management schon damals klar, sei nicht Starbucks, sondern Nestlé.

Vor einigen Wochen hatte Nestlé dann zurückgeschlagen und für knapp 6 Milliarden Dollar das Handelsgeschäft von Starbucks übernommen.

Für Bridgepoint ist der Verkauf ein lohnender Deal, der Pret angeblich mit dem 15-fachen des Gewinns vor Zinsen und Steuern bewertet. Als der Finanzinvestor bei der Frühstückskette vor rund zehn Jahren eingestiegen war, hatte er noch 364 Millionen Pfund (heute rund 414 Millionen Euro) inklusive Schulden gezahlt. 2016 machte Pret 776 Millionen Pfund Umsatz, ein Plus gegenüber dem Vorjahr von 15 Prozent.

Der Deal zeigt, dass JAB offenbar fest entschlossen ist, trotz des ganz offensichtlichen Widerstandes von Konkurrent Nestlé sein Kaffee und Frühstücksimperium weiter auszubauen - und dafür offenbar beträchtliche Investorengelder eingesammelt hat.

Die Familie Reimann aus Mannheim war mit dem Reinigungsmittel-Hersteller Benckiser reich geworden und gehört zu den wohlhabendsten Familien in Deutschland.

reuters

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