23.10.2017 
Parfumdreams-Chef über einen Konflikt und Flugangst

"Mit Sandkastenfreunden haben Sie schon alles geklärt"

Von
parfumdreams.de

Offenes weißes Hemd, Fitnessarmband, teure Jeans mit kunstvollen Rissen: Kai Renchen ist ganz der Typ entspannter Jungunternehmer. Und er hat eine Mission: Mit dem US-Konzern Coty, der von der deutschen Milliardärsfamilie Reimann kontrolliert wird, streitet der Mittelständler aus Pfedelbach um das Recht, dessen Produkte auch auf Drittplattformen wie Amazon-Shops vertreiben zu dürfen. Coty ist mit Parfümmarken wie Gucci, Davidoff, Jil Sander, Hugo Boss, Dolce & Gabbana, Chopard, Cerruti und Lancaster einer der wichtigsten Handelspartner für Parfümerien.

manager-magazin.de: Sie streiten sich seit fünf Jahren mit Coty darüber, ob Sie deren Produkte auch über Drittplattformen wie Amazon oder Ebay verkaufen dürfen. Warum?

Kai Renchen
Kai Renchen, 33, ist Chef der Parfümerie Akzente, die auch den Online-Shop Parfumdreams.de betreibt - nach Douglas der zweitgrößte Online-Parfumhändler in Deutschland. Das in Pfedelbach ansässige Unternehmen ist komplett in Familienhand: Die Mutter und Firmengründerin kümmert sich um die 28 Parfümeriefilialen, der Vater um die Beziehungen zu den Herstellern, der Bruder um die vier Friseursalons, die Schwester ist Parfumfachfrau und entwickelt die Produkte für die Eigenmarke. Akzente hat mehr als 450 MitarbeiterInnen, handelt mit über 600 Marken und hat ein Sortiment von mehr als 40.000 Produkten.

Kai Renchen: Wir verteidigen uns. Coty hatte eine Klage eingereicht am Landgericht in Frankfurt. Dort haben wir in erster Instanz gewonnen. Nun liegt die Sache beim Europäischen Gerichtshof. Wir möchten einfach grundsätzlich freien Handel ohne große Barrieren.

mm.de: Coty geht es darum, über Vertriebswege zu bestimmen. Bei Luxusgütern ist das Image ja sehr wichtig und die Angst groß, dass ein Umfeld irgendwie billig aussehen könnte. Können Sie das nicht verstehen?

Renchen: Klar verstehe ich das. Wir verdienen mit Marken nur, weil die sich ein so tolles Image aufgebaut haben. Wir haben da größten Respekt. Aber einfach nur ""nein" sagen kann auch keine Lösung sein. Denn wir wollen ja keinen schlechten Verkauf! Über Qualitätskriterien kann man reden, aber nicht über ein pauschales Verbot. Gerade für kleinere Unternehmen sind Drittplattformen sehr wichtig, weil deren Kunden sie sonst im Netz gar nicht finden. Ich bin mir sicher, dass sich ein generelles Verbot nicht durchsetzen wird. Das wäre einfach zu verbraucherfeindlich. Wir möchten unsere Ware dort verkaufen, wo sich der Kunde aufhält. Wir verstehen die Seite der Industrie, die Sorge um das Produktimage hat. Aber die ist oft unbegründet. Ebay etwa hat in den vergangenen Jahren sehr viel investiert, um die Darstellung der Produkte viel besser zu machen, und auf Amazon sehen die auch sehr gut aus. Dort sind wir seit vielen Jahren vertreten.

mm.de: Wie lange wird der Streit noch dauern?

Renchen: In den kommenden Monaten erwarten wir die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs. Die wird dann wieder an das Oberlandesgericht weitergereicht, das seinerseits erneut richten muss. Danach wird es voraussichtlich zum Bundesgerichtshof gehen. Ich sehe das aber weniger als Streit, eher als professionellen Dialog. Es geht ja nicht nur um Coty und uns und die Beautybranche. Es geht um das komplette Internet und den gesamten E-Commerce in Europa. Und das kann noch einige Jahre dauern.

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