22.12.2017  Nach Kritik an Kniefall-Protest

US-Pizza-König legt sich mit Football-Liga an - und tritt zurück

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 "Wir verurteilen Rassismus in jedweder Form" : John Schnatter, Gründer der nach eigenen Angaben weltweit drittgrößten Pizzakette, ist Programm und auf jeder Pizza-Pappe des Unternehmens zu sehen. Jetzt legt er den Vorstandsvorsitz nieder
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"Wir verurteilen Rassismus in jedweder Form": John Schnatter, Gründer der nach eigenen Angaben weltweit drittgrößten Pizzakette, ist Programm und auf jeder Pizza-Pappe des Unternehmens zu sehen. Jetzt legt er den Vorstandsvorsitz nieder

John Schnatter, Gründer der US-Pizzakette Papa John's, wird Ende dieses Jahres als CEO zurücktreten. Der 56-Jährige gibt die Führung zwei Monate nach seinen umstrittenen Äußerungen über Nationalhymnenproteste von NFL-Footballspielern ab. Schnatter, der mit dem eigenen Konterfei auf allen Pizzaschachteln wirbt, wird am 1. Januar durch COO Steve Ritchie ersetzt, teilte das Unternehmen in der Nacht zu Freitag nach verschiedenen US-Medienberichten mit.

Schnatter bleibe größter Aktionär und werde weiterhin als Chairman der weltweit drittgrößten Pizza-Kette fungieren, berichten unter anderem die "Washington Post" und die Nachrichtenagentur Bloomberg.

Das Pizzza-Imperium Papa John's ist seit 2010 einer der Hauptsponsoren und zentraler Werbepartner der amerikanischen Football-Profiliga NFL. Im November hatte Schnatter das Management der NFL für seine "schlechte Führung" kritisiert, weil es tatenlos auf die massenhaften Proteste von Spielern reagiert habe.

"Wir wollen nicht, dass solche Menschen unsere Pizza kaufen"

Wenn die Sportler unmittelbar vor oder während der Nationalhymne knieend gegen Polizeigewalt und Rassismus in den USA protestierten, würden darunter die Einschaltquoten leiden und indirekt auch der Absatz seiner Pizza-Produkte, die während der Übertragungen stark beworben werden, hatte sich Schnatter über NFL-Chef Roger Goodell beklagt.

Kniefall während der Nationalhymne: NFL-Spieler der San Francisco 49ers protestieren gegen Rassismus. Viele Spitzensportler schlossen sich seinerzeit diesen Protesten an
AP
Kniefall während der Nationalhymne: NFL-Spieler der San Francisco 49ers protestieren gegen Rassismus. Viele Spitzensportler schlossen sich seinerzeit diesen Protesten an

Schnatter hatte mit seinen Äußerungen einen Sturm der Entrüstung hervorgerufen. Der Konzern entschuldigte sich daraufhin für die "spaltenden" Kommentare. Das habe Schnatter mit seinen Äußerungen nicht beabsichtigt. Papa John's verurteile selbstverständlich "Rassismus in jedweder Form", sagte ein Sprecher seinerzeit und: "Wir wollen nicht, dass solche Menschen oder Gruppen unsere Pizza kaufen."

Zu diesem Zeitpunkt waren die Proteste vieler NFL-Profis längst zum Politikum geworden. So hatte US-Präsident Donald Trump das Verhalten vieler Spieler ebenfalls kritisiert und Football-Fans aufgefordert, NFL-Spiele zu boykottieren, solange die Proteste der Spieler während der US-Hymne anhalten.

Schnatter hatte Papa John's 1984 gegründet. In der Folgezeit wuchs die Pizza-Kette mit mehr als 5000 Standorten weltweit zum drittgrößten Pizza-Lieferanten. 3400 dieser Standorte liegen in den USA, berichtet die "Washington Post".

Trump attackiert Football-Spieler - "Knien ist nicht akzeptabel"

Schnatters Nachfolger Steve Ritchie (43), der 1996 als Kundenbetreuer bei dem Unternehmen mit einem Sechs-Dollar-Job die Stunde anfing, muss indes mit einem fallenden Wachstum fertig werden und auch wieder den Aktienkurs nach oben bringen: Als Anfang November das Unternehmen mit seinen Ergebnissen die Erwartungen des Marktes verfehlte, brach die Aktie mit rund 9 Prozent ein. Auf Jahressicht liegt das Papier der Pizza- und Restauraunt-Kette um rund 31 Prozent unter dem Vorjahr.

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