18.04.2018 
Boykott offenbar erfolgreich

Edeka zwingt Nestlé in die Knie

Produkte von Nestlé sind wohl bald wieder bei Edeka und Co. zu finden
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Produkte von Nestlé sind wohl bald wieder bei Edeka und Co. zu finden

Der monatelange Streit zwischen dem Einzelhändler Edeka und dem Nahrungsmittelkonzern Nestlé könnte einem Pressebericht zufolge bald vorbei sein. Unterhändler beider Seiten hätten sich Ende vergangener Woche in den Verhandlungen um Rabatte und Konditionen grundsätzlich auf einen Kompromiss verständigt, berichtete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" unter Berufung auf Teilnehmer der Gespräche.

Unterschrieben sei diese Vereinbarung zwar noch nicht. Doch mit Hochdruck werde in den kommenden Tagen über die Details eines neuen Einkaufsvertrages zwischen dem größten Nahrungsmittelhersteller der Welt und dem von Edeka geführten europäischen Händlerverbund Agecore verhandelt.

Deutschlands größter Lebensmittelhändler hatte sich mit europäischen Partnern wie Intermarché, Coop Schweiz oder Colruyt verbündet, um Nestlé zu Zugeständnissen bei Preisen und Konditionen zu zwingen und so seine Kosten im Einkauf zu senken. Zwar sind erbitterte Auseinandersetzungen um die künftigen Preise in der Branche üblich. Neu war jedoch das Ausmaß: Die Einzelhändler haben sukzessive Nestlé-Produkte boykottiert und diese aus den Regalen genommen, um den Druck auf den weltgrößten Nahrungsmittelkonzern mit Sitz in der Schweiz zu erhöhen.

Inwiefern sich das auf die Bilanz von Nestlé ausgewirkt hat, dürfte sich am Donnerstag zeigen, wenn die Firma ihre Umsatzzahlen für das erste Quartal veröffentlicht. Zusammen wickeln die Mitglieder des Einkaufsklubs immerhin rund zwei Milliarden Euro Umsatz mit Nestlé ab. Zu den bekanntesten Marken des Unternehmens gehören Nescafé, Maggi, Thomy, Wagner Pizza und Vittel.

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"Nestlé Manager waren in zentralen Punkten zu Konzessionen bereit", habe ein Teilnehmer den jüngsten Verlauf der zuvor über Monate zäh verlaufenden Gespräche umschrieben. Gemeint sei der Zeitung zufolge angeblich die Bereitschaft des schweizerischen Markenartiklers, sich an den von Edeka geforderten gemeinsamen Werbeaktionen finanziell stärker als bisher zu beteiligen oder aber für eine besondere Platzierung im Warenregal separat zur Kasse gebeten zu werden. Sprecher beider Unternehmen hätten den Stand der Verhandlungen nicht kommentieren wollen.

mg/dpa-afx/rtr

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