07.05.2018 
Wie Nestlé den Reimann-Clan ausbremsen will

Machtkampf um den Kaffee-Thron

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Kaffeetrinkerin: Nestlé will bei US-amerikanischen Edel-Kaffeetrinkern wieder Boden gut machen
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Kaffeetrinkerin: Nestlé will bei US-amerikanischen Edel-Kaffeetrinkern wieder Boden gut machen

Der Konsumgüterhersteller Nestlé greift tief in die Tasche, um dem deutschen Reimann-Clan die Stirn zu bieten. 7,15 Milliarden Dollar (knapp 6 Milliarden Euro) lassen sich die Schweizer das Handelsgeschäft von Starbucks kosten - mehr als das Dreifache des Jahresumsatzes des akquirierten Geschäftes. Für Nestlé ein Preis, den der Schweizer Konsumgüterriese bereitwillig zahlt, steht für ihn doch etwas enorm Wichtiges auf dem Spiel: die Vorherrschaft auf dem globalen Kaffeemarkt.

Mit seiner Edel-Marke Nescafé war Nestlé lange der klare weltweite Branchenführer im Premium-Kaffee-Segment und ist es bis heute. Doch in den USA hat die deutsche Milliardärsfamile Reimann zusammen mit einer Gruppe finanzstarker Investoren die Schweizer mittlerweile klar ausgestochen.

Innerhalb weniger Jahre hat die Familienholding der Reimanns, JAB, geführt von erfahrenen Managern aus der Branche ein Kaffee- und Frühstücksimperium zusammengekauft, das den Schweizer Konsumgüterhersteller auf dem größten Kaffeemarkt der Welt zuletzt regelrecht blass aussehen ließ. Und das Nestlé auch außerhalb der USA aggressiv anging.

"Materialschlacht" in den USA

Neben dem Kaffeeriesen Jacobs Douwe Egberts ("Jacobs", "Tassimo", "Senseo") und dem direkten amerikanischen Nespresso-Konkurrenten Keurig kaufte JAB in den vergangenen Jahren für mehr als 30 Milliarden Dollar Ketten wie Baresso, Balzac, Espresso House, Peet's Coffee, Intelligentsia, Stumptown, Panera Bread, Krispy Kreme Doughnuts und Einstein Bros Bagels, Caribou Coffee und Au Bon Pain zusammen. Zudem beteiligten sich die Deutschen an einem Onlinemarktplatz für Edel-Kaffee, der ikonische Marken wie Stumptown oder Intelligentsia auch zu Kaffeefreunden in abgelegenere Ecken der USA bringen soll.

Über die Übernahme von Dr Pepper Snapple, der Nummer drei auf dem US-Erfrischungsgetränkemarkt, sicherte sich der Clan kürzlich zusätzliche Marktzugänge und einen weiteren Distributionskanal - und drängte damit die Schweizer in den USA weiter in die Enge. Der Gegner, machte das JAB-Management schon damals klar, sei nicht Starbucks, sondern Nestlé.

Dessen CEO Mark Schneider holt nun mit der Übernahme des Starbucks-Handelsgeschäftes zu einem teuren Verteidigungsschlag aus. Künftig liegen die Rechte für die Vermarktung der Konsum- und Gastronomieprodukte von Starbucks damit bei den Schweizern. Die weltweit über 28.000 Starbucks-Kaffeehäuser sind von dem Deal nicht betroffen, ebenso wie Starbucks-Fertiggetränke.

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