13.06.2018  Modekonzern startet neue Sparrunde

Alarmstimmung bei Gerry Weber

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Es wird bissig bei Gerry Weber: Firmengründer Gerhard Weber (l.) und sein Sohn und aktueller Vorstandschef Ralf.
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Es wird bissig bei Gerry Weber: Firmengründer Gerhard Weber (l.) und sein Sohn und aktueller Vorstandschef Ralf.

Der Modekonzern Gerry Weber rutscht tiefer in die Krise. Nach Informationen von manager-magazin.de wird Vorstandschef Ralf Weber am Donnerstag mit der Verkündung der Ergebnisse des ersten Halbjahres auch einen weiteren Stellenabbau bekanntgeben. Laut Insidern könnten allein in der Zentrale rund 100 Stellen betroffen sein, dazu werden weitere Läden geschlossen. Ausgenommen ist die Tochter Hallhuber. Intern läuft das Projekt, das auch eine Stärkung der Marke und des Sortiments vorsieht, als "Gerry Weber Performance Programm".

Mit dem Schritt versucht Gerry Weber eine jahrelange Abwärtsspirale zu stoppen. Das Familienunternehmen hatte zuletzt immer wieder Kunden und Handelspartner verprellt. Erst vor wenigen Wochen hat der Konzern die groß angekündigte Marke Grateful, mit der Gerry Weber online punkten wollte, nach nur zwei Monaten eingestellt.

Das Unternehmen befindet sich seit Jahren im Dauerbaustellen-Modus. Vorstandschef Ralf Weber hat in den vergangenen Monaten den Vorstand komplett umgebaut, die Stimmung in der Belegschaft ist mies. Schließlich hatte Weber mit dem Programm "Fit 4 Growth" erst 2016 eine Sparrunde durchgezogen. Damals mussten 200 Mitarbeiter in der Zentrale gehen, zudem verloren 460 Beschäftigte in den Filialen und 50 in den Auslandsgesellschaften ihren Job. Die Anzahl der Angestellten wurde damit insgesamt um zehn Prozent auf rund 6300 reduziert. Zudem wurden 103 der 1270 Filialen geschlossen, weitere fünf Prozent landeten auf einer Beobachtungsliste.

Trotzdem misslingt dem Unternehmen bislang die Kehrtwende. Das Geschäftsjahr 2016/17 schloss der börsennotierte Mode-Konzern mit einem Umsatzrückgang von 2,2 Prozent auf 880,9 Millionen Euro und einem Verlust von 0,8 Millionen Euro ab. Im ersten Quartal des laufenden Jahres ist sogar das operative Ergebnis (EBIT) mit 3,5 Millionen Euro ins Minus gerutscht.

Beide Restrukturierungsprogramme tragen die Handschrift der Berater-Boutique Retail Excellence. Greift das zweite Paket nicht, sieht die Zukunft düster aus. Laut Insidern hat die Misere längst Auswirkungen auf das Verhältnis zwischen Konzernchef Ralf Weber und Vater Gerhard.

Der Firmengründer, der sich 2014 nach einer rückblickend zu starken Expansion aus dem Tagesgeschäft verabschiedet hatte, sitzt heute im Aufsichtsrat und ist mit rund 30 Prozent der Anteile Hauptaktionär. Die meiste Zeit über verfolgt er das Treiben des Juniors in Halle/Westfalen von seinem Wohnsitz in Mallorca aus. Die Kommunikation der beiden gilt inzwischen als gestört. Der Konzern wollte die Informationen auf Anfrage nicht kommentieren.

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