06.02.2017 
Hauptversammlung des Handelskonzerns

47 Mio. Euro - Metro-Führung winkt satte Extra-Zahlung

Von
Metro-Chef Olaf Koch (l.) mit Franz Haniel, dem Vertreter seines Großaktionärs, dem Mischkonzern Haniel.
DPA
Metro-Chef Olaf Koch (l.) mit Franz Haniel, dem Vertreter seines Großaktionärs, dem Mischkonzern Haniel.

Der Vorstand des Handels-Konzerns Metro hat einen Erfolg auf der Hauptversammlung am Montag auch aus ganz privatem Interesse herbeigesehnt. Die Truppe um CEO Olaf Koch will sich von den Aktionären am 6. Februar in Düsseldorf eine umstrittene Operation genehmigen lassen: Die teure Abspaltung und separate Börsennotiz des Kerngeschäfts Großhandel (Cash & Carry), um sich den Querschüssen Erich Kellerhals' zu entziehen, des meinungsstarken Zweitaktionärs der Metro-Tochter Media-Saturn.

Die Kellerhals-Familie besitzt 21,62 Prozent an dem Elektronikhändler. Bislang hielten sich beide Unternehmen unter dem Dach der Metro-Holding de facto eine einzige Börsennotiz.

Die geplante Operation hat Auswirkungen auf alles Mögliche, wie dem 239 Seiten starken Spaltungsbericht des fünfköpfigen Metro-Vorstands zu entnehmen ist. Und deswegen natürlich auch auf die Boni der Top-Manager. Konkret dürfen sich Koch und Kollegen laut Überschlagsrechnung der Seiten 125 ff. des Berichts auf "Auszahlungsbeträge" von in der Summe "rund EUR 47 Mio." freuen, wenn ihr Plan am Montag wie erhofft durchgeht. Wie viel der Summe auf die einzelnen Vorstände und den CEO Koch entfallen, ist dem Bericht nicht zu entnehmen. Am Rande der Hauptversammlung sagte ein Metro-Sprecher gegenüber manager-magazin.de, 30,5 Millionen Euro würden auf knapp 400 Führungskräfte entfallen, die übrigen 16,5 Millionen Euro auf den fünfköpfigen Vorstand. Angaben in anderen Dokumenten zur Hauptversammlung lassen darauf schließen, dass Koch den mit Abstand größten Anteil erhält.

Auch sonst haben die fünf Vorstände, die als Verfasser des Spaltungsberichts auftreten, nicht besonders viel Mühe gegeben, ihre Berechnung der so genannten Long-Term-Incentive-Programme (LTI) im Detail nachvollziehbar zu machen. Grundsätzlich aber speist sich die Millionen-Summe aus älteren Bonus-Programmen, deren Auszahlung nun zum Teil vorgezogen wird, sowie neuer Rechenformeln. Konkret heißt es in dem Bericht des Metro-Vorstands: "Die LTI-Programme sollen deshalb zum Teil abgewickelt und zum Teil an die neue Lage angepasst werden. (...) Eine unveränderte Anwendung der in den jeweiligen Planbedingungen genannten Komponenten zur Erfolgsmessung wäre nicht angemessen."

Die Boni-Regel ist ein plakatives Beispiel für den enormen Aufwand, den

Konzernvorstand Olaf Koch betreiben lässt, um den jahrelangen Streit mit Media-Saturn-Minderheitseigner Erich Kellerhals nun vergleichsweise gewaltsam zu lösen und das Großhandelsgeschäft damit aus der Konfliktzone zu bringen. So löst die Abspaltung des Kerngeschäfts überdies beispielsweise die Hebung zahlreicher stiller Reserven aus, was sich in einer Steuerlast in größerer zweistelligen Millionenhöhe niederschlägt.

Kellerhals jedenfalls hat seine Anfechtungsklage nach Informationen von manager-magazin.de bereits vorbereitet, sollten die Metro-Aktionäre am Montag auf der Hauptversammlung der Spaltung tatsächlich zustimmen. Folgt der zuständige Richter der Argumentation des Unternehmers, muss Koch seinen Plan stoppen oder zumindest modifizieren.

Möglicherweise kommt es ja aber auch noch zu einer gütlichen Einigung über den knapp 22-Prozent-Anteil, den Kellerhals samt Familie an Media-Saturn hält und der Metro von der Komplettkontrolle abhält. Nach Informationen von manager-magazin.de haben die Parteien noch im Januar Positionen ausgetauscht. Vor allem die Frau von Erich Kellerhals soll auf einen Friedensschluss drängen. Die Summe, die in den vergangenen Wochen in diesem Zusammenhang im Raum stand, ist allerdings erklecklich: Kellerhals' Mitgründer Leopold Stiefel hatte vor vier Jahren etwa 230 Millionen Euro bekommen, als er seine knapp 3 Prozent an Media-Saturn der Metro verkaufte. Bezogen auf den Kellerhals-Anteil wären das dann knapp 1,7 Milliarden Euro.

Mehr zum Thema